Exotisch, sehr bunt und sehr laut, – fantastisch!

Der Karneval auf Guadeloupe ist wohl das wichtigste Fest auf den kleinen Antillen.
Heute ist Dimanche Gras, der Fasnachtssonntag. Da findet in Pointe-à-Pitre die Grand Parade statt. Die Frühaufsteher treffen sich bereits um 06:00 morgens für das Grand Défilé en Pyjama. Darauf verzichten wir, aber die Parade wollen wir unbedingt sehen. Die Wetterlage ist labil, aber es ist weitaus besser als am Vormittag.

Einen guten Standplatz zu suchen ist wegen der einmaligen Gelegenheit, dieses Fest mitzuerleben und fotografisch festzuhalten, sehr wichtig. Wir positionieren uns an einer Straßenecke, sodass die Gruppen direkt auf uns zu marschieren. Entlang der abgesperrten Strecke sind schon sehr viele Zuseher und es stehen Unmengen von Partyzelten. Campingstühle, Kühltaschen, Getränke, Verpflegung und sogar Ventilatoren gehören ebenfalls zur Ausrüstung für diesen besonderen Nachmittag und Abend. Andere wieder begnügen sich mit Klappstühlen und einem Schirm.

Vor der Parade

Die Parade ist nichts weniger als großartig. Sie wird von einem LKW eröffnet, der langsam vorbeifährt. Auf diesem befindet sich ein Musiker bzw. DJ mit Synthesizer, Bassisten und ein Sänger mitsamt der PA-Anlage. Sie geben sehr laute, aufpeitschende Musik zum Besten um die Stimmung anzuheizen und vorzubereiten.

LKW

Danach folgen Darsteller mit besonderen Peitschen mit kurzem Stiel, einem schweren, geflochtenen Schweif oder Seilstück mit kleiner Quaste. Die Peitschen klingen wie Schüsse und es knallt von allen Seiten. Das Peitschen soll an die Leiden der Sklaven erinnern, die von den Kolonialmächten hierher verschleppt wurden.

Peitscher

Vor jeder Gruppe, genannt Mass, wird jeweils ein Plakat mit dem Namen und der Nummer getragen, oft auch von Kindern.

Kinder der Degage Band

Ankündigung der Dégagé Band

Danach defilieren die geschmückten und maskierten Tänzerinnen, die sich zum Rhythmus der getrommelten Musik bewegen. Die fantasievollen Kostümierungen sind sehr aufwendig hergestellt und farblich schön abgestimmt. Die Tänzerinnen tragen oft nur eine knappe Kostümierung, dafür aber ausladende, fantasievoll gestaltete Kopfbedeckungen. Alle sind stark und sehr effektvoll geschminkt. Jede Gruppe bildet durch ihre besondere Aufmachung optisch eine Einheit.

Tänzerin

Die Männer gehen hinter den Tänzerinnen und schlagen die Trommeln. Bei den Trommlern gehen zuerst jene, die kleinere, hell klingende Marschtrommeln spielen, auch die Steelpans. Dahinter werden die Trommeln immer größer.

Musiker

Oftmals sind auch diverse Blechblasinstrumente dabei, die einfache, kurze und vielfach wiederholte Notenfolgen spielen. Sehr speziell sind hier Bläser mit Muscheln oder Conch Seeschnecken.

Immer wieder haben die Maskierten auch Rasseln und Becken mit. Ganz hinten kommen die Trommler mit Plastikfässern ohne Boden. Teilweise sind die Fässer adaptiert und mit Trommelfell versehen. Die großen Trommeln und Fässer werden mit kurzen Schlegeln geschlagen, die nach unten aus der Faust ragen.



Das Défilé einer solchen Gruppe macht einen sehr starken Eindruck, aber nicht nur hinsichtlich des vielfarbigen Anblicks. Den archaisch anmutenden Trommelrhythmen kann man sich nicht entziehen, die gehen auch uns unter die Haut. Das Trommeln ist wirklich laut, Trillerpfeifen und Hupen ertönen und das Knallen der großen Peitschen ist überall präsent.

 


Die Gruppe Pikanga aus Baie-Mahault


Zwischen den einzelnen Gruppen ist eine klare Trennung und eine kurze Pause, in der peitschende Männer, oder auch einzelne, besondere Maskierte vorüberziehen.


Die große Gruppe AvanVan du Moule existiert schon seit Jahrzehnten und hat sich heuer den Ara zum Thema genommen und fantastische, sehr aufwendige Kostüme hergestellt.




Die Gruppe Excellence  erstrahlt in Rot und Silber.



Kasika
Kasika aus Capesterre, Belle-Eau

Nach mehr als dreißig Gruppen tun uns langsam die Beine weh und wir verlassen unseren guten Platz.
An einem Stand kaufen wir uns Bokits mit Huhn und Landkrabbenfleisch, eine typische Spezialität aus Guadeloupe, die schmeckt. Am späteren Nachmittag sitzen die Zuseher in mindestens vier Reihen hinter den Absperrungen an der Hauptstraße. Die engen Straßen der Stadt sind nun total überfüllt. Es scheint, dass die gesamte Inselbevölkerung jetzt in Pointe-á-Pitre ist. Das ganze Fest geht aber recht gesittet über die Bühne, Betrunkene oder anders negativ auffällige Personen sieht man keine.

Helga mit Maske

Den Heimweg treten wir in der Dunkelheit an. Wir treffen auf weitere maskierte Gruppen, die offensichtlich nicht an der Parade teilnahmen und auf anderen Wegen durch die Stadt marschieren. Auf einem Platz sammeln sich sehr afrikanisch aussehende Maskierte und formieren sich für den Umzug.

Der Karneval geht am Dienstag um Mitternacht zu Ende. Am Aschermittwoch wird Vaval, der König des Karnevals als Symbol für die Reinigung der Seelen verbrannt. Natürlich handelt es sich um eine Bwabwa, eine Marionette.