Westnorwegen

Lysefjord

Die großen Fjorde Westnorwegens haben wir schon auf einer früheren Reise gesehen. Den Lysefjord kennen wir noch nicht. Ein Besuch mit der Yacht ist ja auch ein völlig anderes Erlebnis. Die Wolkendecke reißt zögerlich auf und mit gutem, raumem Wind segeln wir von Stavanger zum Eingang des Fjords. Noch vor der Brücke begegnet uns die Fregatte F311 der Königlichen Norwegischen Marine. Wir grüßen durch Dippen der Nationalflagge, worauf der wachhabende Offizier an Deck erscheint.
Die erste Strecke im Fjord ist etwas zäh, dann wird es immer besser zu segeln. Auf Backbord erblicken wir die kantige Formation des Preikestolen. Tief im Fjord sind die schattigen Steilwände des Kjerag ein sehr imposanter Anblick. Über 1000 Höhenmeter sind es hinauf bis zur Kante, von der die Basejumper in die Tiefe springen. Die Landungen erfolgen auf einem schmalen Wiesenfleck zwischen großen Steinen. Der Wind weht in den Fjord, daher ist das Liegen in Lysebotn sehr unruhig. Die Schnellfähre verursacht beim Anlegen sehr starke Wellen.

Anderentags fahren wir mit dem Bus und den ersten Basejumpern schon früh hinauf zur Ørgardstøl Hütte. Die Lysevegen genannte Strasse ist waghalsig angelegt, sehr schmal und steht dem viel bekannteren Trollstigen in nichts nach.
Von hier wandern wir im sich auflösenden Morgennebel über eine tolle Felslandschaft und Schneefelder am Fjell. Am Kjerag bieten sich dann unglaubliche Tiefblicke, was für eine Landschaft! Wir besuchen auch die überhängende Abbruchkante, eine absolut atemberaubende Aussicht.

Während der Motorfahrt aus dem Fjord herrscht Schönwetter wie es im Buche steht. Der Abstecher war ein Highlight! Am Fjordausgang finden wir guten Wind vor, müssen aber aufkreuzen. Bei Stavanger nur wechselnde und schwache Winde. Dann folgt mit einer böigen, kräftigen Brise ein langer Schlag genau nach Norden. Ab Judaberg ist es sehr warm und windstill. An die sich ständig ändernden Verhältnisse werden wir uns gewöhnen müssen! Wir laufen Helgøysund an, ein gut geschützter Hafen mit sehr tiefem Wasser unter den Schwimmstegen. Hier bleiben wir einen Tag und spannen aus.

Helgøysund – Karmsund – Bømlafjord – Bergen

Ab Stavanger ist die Küste von Westnorwegen durch viele Inseln und Fjorde sehr zerklüftet und man hat oft mehrere Routen zur Auswahl. Die Gezeiten und die damit verbundenen Strömungen werden immer stärker präsent.
Unsere Reise führt uns kreuzend weiter durch den Boknafjord westwärts. Wegen der vier, ständig zwischen Mortavika und Arsvågen verkehrenden Autofähren ist hier Vorsicht geboten. Wir legen die Wende genau zwischen ihre Fahrstrecken, um sie nicht zu behindern. Dann ziehen niedere Wolken auf, der Horizont wird dunkel und der Wind abgeschwächt. Wir fahren durch den von Industrie geprägten Karmsund. Auch Haugesund erscheint uns nicht attraktiv. Im Seegebiet Sletta ist nur langsames Segeln möglich. Unsere Wahl fällt auf den kleinen, sehr ruhigen Hafen Mosterhamn im Bømlafjorden. Noch zwei Yachten laufen ein, dann ist er auch schon belegt. Ein schöner Spaziergang führt uns zu Aussichtsplätzen auf der Halbinsel Austneset.

Von hier segeln wir bei gutem Raumwind im Kanal zwischen Bømlo und Stord. Ausweichmanöver sind auch heute erforderlich, um Großschiffen das Fahrwasser freizuhalten. Wir nehmen eine Abkürzung durch die Schären. Freihängende Stromleitungen verbinden viele dieser Inseln. Die jeweiligen Durchfahrtshöhen sind bei der Planung der Tagesroute immer ein wichtiger Punkt!

Von Bekkjarvik auf der Insel Selbjørn wollten wir eigentlich nach Bergen. Es ist bedeckt und starkwindig.
Bei bis zu 7 Bft und nachlaufender Welle geht es nur mit der handlichen Fock flott dahin. Schon um 15:00 Uhr sind wir in Bergen, aber da ist eine Großveranstaltung mit historischen Booten und Schiffen. Alle einlaufenden Yachten werden weggeschickt. Wir sind froh, im wenige Meilen entfernten Strusshamn einen gelassenen Hafenmeister anzutreffen, der uns einen reservierten Platz überlässt. Zeitig in der Früh verlegen wir CARA MIA nach Bergen, klaren das Schiff auf und genießen den Tag trotz der vielen Schauer. Für Regenwetter ist diese schöne Stadt ja zurecht bekannt. Christian kommt mit dem Flugzeug aus Hamburg und wird mit uns bis Trondheim segeln.

Fedje – FlorøMåløy – Ålesund

Zwischen Fedje und Florø sehen wir schöne Landschaften und imposante Formationen, unter anderem die Insel Alden „Den Norske Hest“.
Wir wollen unbedingt noch rechtzeitig um das berüchtigte Westkap Stad kommen, da die bevorstehende Wetteränderung dies für einige Tage verhindert hätte. Dann fährt man auch bei Regen und schlechter Sicht. Ab dem Frøysjøen waren die Bedingungen besser.

Ein früher Start in Måløy sichert uns eine Fahrt um Stadlandet ohne allzu große Wellen. Ostwind unterstützt uns bei dieser Passage unter Maschine. Alles gelingt wie geplant und wir sind bereits Mittags in Sandshamn. Beim abendlichen Spaziergang ist die Front dann da, es regnet und bläst. Wir bleiben einen Tag auf Sandøy und wandern rund um den Berg Hornet, der Südwind brist bis Windstärke 8 auf.

Anderentags segeln wir bei gutem Rückseitenwetter und gegen den kräftigen Nordostwind aufkreuzend nach Ålesund. Im Winter 1904 brannten 800 Holzhäuser und damit fast die ganze Innenstadt völlig nieder. Die daraufhin mit deutscher Unterstützung neu errichteten Bauten sind sehr stark und einheitlich vom Jugendstil geprägt und geben dieser Stadt ihren einzigartigen Charakter. Unser Abendspaziergang führt uns zum Aussichtspunkt auf dem Hausberg Aksla. Auch noch spät am Abend genießen wir die gute Aussicht bei strahlender Sonne.

Die notwendige Verdunkelung der Kajüten und der gestrige, recht sportliche Segeltag bewirken, dass wir alle recht lang in unseren Kojen bleiben. Nach dem Brunch unternehmen wir einen langen Stadtspaziergang und besuchen das Ålesund Museum. Dieses sehenswerte Museum beleuchtet die Stadtgeschichte und Aspekte des beruflichen und täglichen Lebens vergangener Epochen. Für Segler besonders interessant ist das erste, mit einem Deck geschlossene Rettungsboot der Welt. Dessen Erfinder Ole Brude führte mit drei Begleitern damit erfolgreich eine fünfmonatige Reise über den winterlichen Nordatlantik durch. Mehr darüber findest du hier.

Seit Beginn unserer Reise haben wir schon 800 Seemeilen geloggt, aber es ist noch weit zu Norwegens Traumarchipel, den Lofoten mit ihrer wilden Bergwelt und den kleinen Fischerdörfern!