Durch den Kalmarsund in die Schären

Karlskrona – Grönhögen

Viele Boote sind schon sehr früh abgefahren, es soll regnen. Die Dünung ist viel schwächer als vermutet und es ist wunderbar zu segeln. Schnell sind wir an der Südostecke zwischen Utlängan und Utklippan. Dort ist der Wind recht schwach, später auf NNO-Kurs wird es wieder besser.

Das Tagesziel Sandhamn ist eindeutig zu kurz gegriffen. Wir entscheiden uns für die Querung des Kalmarsunds. Das ist auf Raumwindkurs sehr gut zu machen, wir laufen 9,2 Knoten über Grund. Der Wind frischt noch auf, das Ansteuern des Hafens ist nicht leicht. Anlegen längsseits ist nur mit dem Bug gegen den Wind möglich. Ein freundlicher deutscher Segler übernimmt die Leinen. Er wartet schon seit Tagen auf passenden Wind für die Fahrt nach Süden.

Es bläst, Gischt kommt über die Mole. Wir werden den ganzen Tag kein Segelboot in Fahrt sehen. Auch wir bleiben im Hafen, ich miete Fahrräder. Die Radausfahrt gestaltet sich zu Beginn sehr schön, zuerst geht es nach Norden zur alten Alaunfabrik. Dann queren wir die Insel nach Ost über das Stora Alvaret. Diese Karstlandschaft ist die größte Alvarfläche der Erde. Heute ist es ein Naturschutzgebiet mit kilometerlangen alten Trockensteinmauern, welche die Weideflächen der Dörfer markierten. Hier leben besondere Insekten und endemische Planzenarten. Die Landschaft wirkt dürr, es gibt nur niederen Bewuchs. Kein Baum weit und breit.
Auf den Rückweg haben wir starken Gegenwind. Man benötigt den ersten Gang kommt nur langsam vorwärts. Endlich geht es entlang von Häusern und Buschwerk, da ist es etwas leichter.
Die Wikingerburg Erketorp ist eine von mehreren Anlagen auf dieser 120 km lang gestreckten Insel. Die Burg wurde in den 1930er Jahren rekonstruiert. Die Anlage kann einen sehr guten Eindruck vom Leben in der damaligen Zeit vermitteln. Auf der langen, schutzlosen Geraden zurück zum Hafen wird diese Radtour zur Geduldsprobe.

Grönhögen – Kalmar

Wir stehen sehr früh auf, um 06:30 laufen wir aus. Der Wind reicht für mehr als 7 Knoten Fahrt bei gereffter Groß. Vom Vortag steht noch etwas Welle, aber es ist deutlich moderater. Weiter nördlich im Sund nimmt der Wind ab und raumt. Wir fahren schließlich nur unter Großsegel. Wenige Meilen vor Kalmar nieselt es und vor der Hafeneinfahrt erwischt uns ein Schauer und die dazugehörendem Böen.

Beim Einlaufen fällt mit ein bekanntes Schiff auf, die Motiva Ketsch JOSI. Wir legen uns an eine Heckboje. Helga holt den Morgenschlaf nach. Ich marschiere inzwischen zum Hafenbüro und besuche dann Jürgen und Ingrid Mohns. Die beiden sind seit 23 Jahren mit diesem Schiff unterwegs und nun in einem Alter, in dem andere das Segeln schon seit mehr als einem Jahrzehnt aufgegeben haben. Eine Ehre, einige Worte mit solchen Seglern wechseln zu dürfen. Wer mehr über diese Crew und ihr Schiff wissen will: „Freiheit auf Zeit – Weltumsegler erzählen“ von Kristina Müller

Das Renaissanceschloss Kalmar ist das Wahrzeichen der Stadt. Aber man findet hier schöne Bauten aus verschiedenen Epochen, modernen Wohnbau und den Campus der Linné Universität direkt am Hafen.

Wir besuchen das Kunstmuseum mit einer Ausstellung zum Thema „Meer“. Dieses Museum ist ein moderner Betonbau, außen mit schwarzem Holz verkleidet und im schön angelegten Stadtpark zu finden. Nachmittags gemütlicher Stadtbummel und Besuch des Länsmuseums. Das ist ein recht vielfältiges Museum, beindruckend vor allen die Kanonen der Kronan, die 1676 in der Seeschlacht bei Öland sank.

Kalmar – Sandvik

Glattes Wasser, kein Windhauch. Motorfahrt auf Nordkurs. Erst steht schöne Cumulusbewölkung über Land die jedoch ziemlich rasch in Schauer übergeht. Nach Borgholm ist die Luft klarer. Im Hafen Sandvik finden wir noch Platz für unser Boot.

Sandvik – Figeholm

Der Wind ist aber dermaßen schwach, dass wir noch vor der Blauen Jungfrau mit Motor fahren müssen. Figeholm ist ein ruhiger und angenehmer Hafen.

Figeholm – Händelöp

Kräftiger Seitenwind stört beim Ablegen. Wir legen eine längere Vorleine, damit wir mit dem Schiff bis zum Bojenhaken kommen, ohne die Stegverbindung lösen zu müssen. Leider gebe ich Schub retour, obwohl Helga noch an der Bugleine arbeitet. Das unschöne Ergebnis ist ein blauer Nagel am Zeigefinger!

SY JOSI
SY JOSI, Lübeck


Bei Ausfahrt begegnen wir JOSI, die gerade in Figeholm einläuft. Wir werten das nicht gerade als gutes Zeichen. Wir setzen die Fock und 2/3 der Groß und segeln hinaus. Der Wind ist NO statt O, das heißt kreuzen. Zuerst segeln wir einen langen Schlag Richtung Byxelkrok/Öland, nach der Wende dann hin zum Innenfahrwasser nach Norden. Der Wind hat nun zugelegt und die Böen sind stark. CARA MIA taucht mit dem Bug bis zur Fußreling ein. Bald erreichen wir die ersten Seezeichen des inneren Fahrwassers und sind in der Abdeckung von Schären. Das hilft gewaltig. Auch unter Maschine müssen wir teilweise ordentlich gegen den starken Wind und die Wellen vorhalten.

Die Landschaft ist sehr schön. Östlich der Insel Älö sind ideale Segelbedingungen, wegen Kurs NW nun Halbwind. Nach dem Abzweigen motoren wir wieder gegen den Wind und sind dadurch sehr langsam.
Der letzte Streckenabschnitt ist ungeschützt. Die Fock zieht nicht und der Motor muss sich anstrengen. Die 57 PS reichen zwischen der markierten 1,3m Untiefe und der winzigen Schäre Kråkan gerade noch aus. Die Wellen kommen nun seitlich heran und das Boot rollt. Ich wünsche mir, eingepickt zu sein, hatte die Lifelines aber nicht vorbereitet. Die Hafeneinfahrt ist dann überraschend schnell da, Peilmarken geben den Kurs vor.
Der Fischereihafen ist klein und sehr billig. Keine weitere Gastyacht ist da. Wir sind müde. Anderentags besuchen wir Händelöp By, den kleinen Ort an der anderen Seite der idyllischen Insel.