Segeln in Norwegens Süden

Von Schweden nach Stavanger

Es fühlt sich heuer besonders gut an, nach dem langen Winter wieder am Boot anzukommen. Wir haben uns ja einiges vorgenommen. Diesmal soll es entlang der norwegischen Küste bis über den Polarkreis gehen. Nach einigen Tagen der Vorbereitung auf der Werft fahren wir los. Das Schärenrevier der schwedischen Küste kennen wir nun schon sehr gut und alles scheint einfach. Über Bovallstrand und Fjällbacka segeln wir nach Ekenäs auf den Koster Inseln. Von hier wollen wir hinüber nach Norwegen.
Wir stehen früh auf und segeln bei frischem Wind los. Auf Am-Wind-Kurs segeln wir aus dem Kosterfjord hinaus und bei bis zu 12 m/s Wind aus Süd flott und problemlos über den Skagerrak. Wir wechseln erstmals die Gastlandflagge. Nach sieben Stunden liegt CARA MIA in Stavern.
Hier an Norwegens Südostküste verbringen viele Städter aus Oslo ihren Sommer. Viele hübsche Städte mit vorgelagertem Schärengarten locken vor allem bei gutem Sommerwetter. Stavern ist eine recht kleine Stadt mit Befestigungsanlagen und einer Zitadelle. Der Landgang führt uns durch die frühere Marinebasis und Werft Fredriksvern zu dem bakenartigen Denkmal Minnehallen. Es erinnert an die in beiden Kriegen gefallenen norwegischen Seeleute.

Risør ist ein schöner, hinter einem Schärengarten gelegener Ort mit vielen gut erhaltenen, historischen, weißen Holzhäusern. Wir spazieren hinauf zum Risørflekk, ein als Ansteuerungshilfe weiß bemalter Fels.
Von dort ist es nicht weit zu der von den deutschen Besatzern auf diesem Berg gebauten Festung Urheia. Geschützstellungen, Kommandobunker, Unterstände, alles sehr solide in Granit und Beton gebaut.

Risør

Von Risør fahren wir nach Lyngør, ein authentisches Dorf das auf vier Inseln liegt.

  • Sailing through Lyngør
  • Lyngør
  • Lyngør
  • Lyngør white houses
  • Lyngør fishing village

Südwestlich von Lillesand liegt das Blindleia. Das ist ein den schwedischen Schären sehr ähnliches Gebiet, geschützt und mit vielen Kanälen und teils sehr engen Durchfahrten. Hier sehen wir viele sehr hübsche Sommerhäuser.

Lighthouse Store Torungen
Store Torungen

Einige Seemeilen vor Kristiansand steuert uns ein schnelles Boot des nowegischen Zolls an und geht in Luv auf Parallelkurs. Die fällige Zollgebühr hatte ich bereits per App entrichtet, das stellt die Beamtin zufrieden. Nach kurzer Befragung dreht das Zollboot wieder ab. Gleich nachher kommt ein DSC-Funkanruf eines U-Boots. Nach Angabe unserer Absichten dankt die norwegische Marine freundlich für die Information und wünscht uns noch eine gute Wache.
Kristiansand ist überraschenderweise total voll. Ein freundlicher Segler hilft beim Anlegen längsseits bei starkem Seitenwind.

Die Stadt wurde bereits im 17. Jahrhundert schachbrettartig, quadratisch angeordnet. Das heutige Stadtbild ist eher untypisch für Norwegen. Mehrere große Brände zerstörten den Großteil der alten Holzhäuser. Danach wurden Neubauten aus Holz verboten. Daher findet man neben moderner Architektur viele Gebäude aus der Zeit des Historismus, viele Ziegelbauten, aber nur wenige historische Holzhäuser.
Das Zollboot liegt ebenfalls hier im Hafen und die Beamtin besucht uns. Ich erwähne die Kontrolle vom Vortag auf See und biete an, an Bord zu kommen. Das genügt dann.

Auf der Strecke nach Mandal segeln wir gegen Wind und Welle. Es ist böig und wir fahren wegen starker Schauer mit teilweise geschlossenem Verdeck. Mit gerefftem Groß laufen wir besser Höhe, es bleibt aber mühsam. Die Wellen werden immer größer und rollen seitlich heran. Der Hafen Mandal liegt in der Flußmündung der Mandalselva und bietet einen ruhigen Liegeplatz längsseits.
Hier in der südlichsten Stadt Norwegens warten wir mehrere Tage bis die Wellenvorhersage die Umrundung von Lindesnes und Lista ermöglicht. Wir unternehmen Spaziergänge zum Aussichtspunkt Uranienborg Torjusheia, zum Buen Kulturhaus und wandern am Küstenweg um Furulunden, wo sich schöne Badestrände mit Felsformationen abwechseln. Besonders schön ist Risøbank, ein Herrenhaus im schottischen Stil mit wunderbarem Park, vielen blühenden Rhododendren und einem Gewächshaus.
Die finnische Yacht C´YA! läuft ein und wir nehmen gemeinsam mit Jussi und Satu ein Bier. Wir hatten im Vorjahr den Götakanal gemeinsam befahren und freuen uns über das Treffen. Die aktuelle Wettervorhersage lautet auf stürmischen Wind, aber es war gutes Wetter. Hier im geschützten Hafen merkt man nichts davon.

Heute wollen wir es versuchen und fahren früh los. Die ersten schweren, turbulenten Wellen bei der Untiefe Gjeslingane sind uns eine Warnung. Weiter draußen sehen wir weiße, brechende Kämme. Wir segeln hart am Wind und machen gute Fahrt gegen die Wellen.
Südöstlich vor dem Kap und Leuchtfeuer Lindesnes kommen wir aus der Landabdeckung. Der Nordwest und die Welle nehmen stark zu. Wir wollen reffen, aber das Großsegel läuft nicht in die Mastnut. Helga übernimmt und fährt in der wilden Schaukelei mit Vollzeug unbeabsichtigt ein Ringerl. Ich klariere das Segel am Mast und baue eine neue 50 A Sicherung für die Reffanlage ein. Wegen der hohen Wellen beschließen wir, für heute aufzugeben. Auch C`YA! dreht um. Mit starkem, raumem Wind und nachlaufender Welle sind wir schnell wieder in Mandal.

High waves South Norway
Photo courtesy of Satu Ekman
Lindesnes Lighthouse, Norway
Lindesnes
Lista Lighthouse, Norway
Lista

Am Tag darauf war Lindesnes und Lista bei nur 2 m Welle ohne Schwierigkeiten zu passieren. Wir fahren östlich von Eigerøya in den Egersund. Egersund ist eine Industrie- und Fischereistadt und bietet guten Schutz in dem für Segler sonst recht unwirtlichen, aus Felswänden bestehenden Küstenabschnitt. Wir verlassen Egersund durch den ruhigen, schönen Nordresund.

Quiet, rocky shoreline and woods, Egersund

Ab Sirevag ist das Land flach und landwirtschaftlich genutzt. Es gibt keinen für Yachten geeigneten Hafen oder Schutz durch Schären. Wir setzen Segel und gehen auf Westkurs. Helga bestimmt den Zeitpunkt für die Wende sehr genau, exakt südlich des Kardinals Jærens Rev. Die folgenden 23 Seemeilen auf Nordkurs sind sehr gut zu segeln, wir reffen sogar etwas.
Das Kardinalzeichen umrunden wir in kurzer Distanz, dann kann abgefallen werden. Auch hier sehr schönes Segeln bis Tananger. Damit haben wir den längsten, offenen Abschnitt von Norwegens Küste besegelt.

Jærens rev Marker

Tanager ist ein wichtiger und großer Erdöl- und Handelshafen. Den nahe gelegenen Yachthafen erreicht man durch Umfahren der Insel Melingsholm.

Anderentags fahren wir mit dem Bus nach Stavanger und spazieren durch die Stadt. Die Mischung aus alten Holzhäusern der Altstadt und moderner Architektur gefällt uns gut. Die riesigen Kreuzfahrtschiffe liegen jeweils nur für wenige Stunden im Hafen. Wir besichtigen die Marina Børevika beim Norsk Oljemuseum und beschließen am nächsten Tag dorthin zu verlegen. Bei Norrøna kaufen wir uns warme Faserpelzjacken.

Helga verlegt das Schiff im Regen nach Stavanger. Wir brauchen neue, digitale Seekarten. Bei Maritim Båtutstyr werden wir sehr gut bedient und beraten. Ein Highlight ist der Besuch des sehr sehenswerten Norwegischen Erdölmuseums. Neben realen Exponaten sieht man viele, schön gebaute Modelle der hochentwickelten norwegischen Offshore-Technologie.

Night view of Oil museum Stavanger
Norsk Oljemuseum, Stavanger