Der Schärentörn 2020 – Südlicher Teil

Von Svineviken bei Henån auf der Insel Orust starten wir unseren Sommertörn im geschützten inneren Fahrwasser östlich von Orust.

Uddevalla

Mit den neuen Boot müssen wir ja zuerst auch üben! Wir haben die Genua gegen die 7m² kleinere Fock getauscht. Dieses Segel bietet eine deutlich bessere Sicht nach recht voraus und ist einfacher handzuhaben. Aus dem Koljöfjord fahren wir gemütlich bei raumem bis halbem Wind nach Norden. Dabei lief das Boot bei Windstärke 2 über 4 Knoten nur unter Fock. Nachdem wir die imposante E6 Brücke passierten, übe ich vor dem Anlaufen von Uddevalla im Byfjorden noch „Drehen am Teller“ und rückwärtsfahren. Das Anlegen längsseits über die Backbordseite war dann problemlos.

Gustafsberg

Das Bohuslän Museum ist gleich gegenüber unseres Liegeplatzes und wird natürlich besucht. Nachmittags fahren wir mit dem Dampfer nach Gustafsberg. Das ist ein schöner, sehr gepflegter traditionsreicher Badeort. Nach einem Cafebesuch folgt ein langer Spaziergang über die Seepromenade nach Hause. Am Schiff wollten wir dann etwas typisch Schwedisches essen. Gekocht wurde: Jansons Versuchung Schmeckt sehr gut!

Von Uddevalla nach Svanesund motoren wir im Regen bei schlechter Sicht.

Wallhamn

Wir wollten nach Åstol, aber schnell wird klar, dass der Wind recht kräftig ist. Wir fahren von Beginn an gerefft. Bei Stenungsund vorbei geht es sehr gut, unter der Tjörnbrücke war etwas Landabdeckung. Auch Hakefjord im Lee der großen Insel Tjörn, sind die Bedingungen böig -mittlerweile über 16 m/sec, bzw. 7 Bft. Das Ziel war eindeutig ungünstig gewählt. Wir steuern daher die nicht öffentliche Marina Wallhamn auf Tjörn an. Ein sehr freundlicher Motobootfahrer erreicht den Besitzer eines freien Liegeplatzes am Telefon. Dieser erlaubt uns das Übernachten in seinem Slip.

Åstol/St.Dyrön

Am nächsten Tag motoren die wenigen Seemeilen nach Åstol, es ist windstill. Der Hafen ist langgestreckt und teilt die Insel beinahe in zwei Teile. Åstol ist eine kleine Insel mit Fischereigeschichte und fast völlig bebaut. Weiße Holzhäuschen, alles sehr hübsch, ein tolles unverfälschtes Ambiente. Immer mehr Boote laufen ein. Der Hafenkapitän dirigiert alle an ihren Liegeplatz. Man liegt hier im 3er oder 4er Päckchen. Wir sind ganz innen am Kai, das muss man einmal erlebt haben.

Mit der Fähre setzen wir anderentags nach Stora Dyrön über. Wir wandern quer über die Insel zum Südhafen. Von Stora Dyrön bieten sich wunderbare Blicke zurück nach Åstol und hinaus bis zu den Paternosterschären.

Marstrand

Nur einen Katzensprung von Åstol entfernt, aber wir machen im kleinen Hafen von Klöverön schon wieder Halt. Marstrand ist ein sehenswerter Ort, teils auf der Insel Koön, teils auf Marstrandsö gelegen. Eine Seilfähre verbindet die Stadtteile. Marstrand ist die Seglermetrolpole der Westküste, überragt von der mächtigen und weithin sichtbaren Carlstens Festning. Mit dem Dinghy setzten wir von Klåverön nach Marstrand über und gehen in dem gepflegten Ort spazieren.

Klåverön

Klåverön ist eine unter Naturschutz stehende Insel, die wir mit einer ausgedehnten Wanderung erkunden. An der Südseite ist die beliebte Ankerbucht Utkäften, der Blick reicht von hier über die Bake Lekskär bis nach Vinga.

Öckerö

Wir motoren durch den Albrektssundskanal nach Südosten. Dann segeln wir nur unter Fock ohne Manöver bis nach Öckerö in die nördlichen Göteborger Schären. Ein schöner, aber kalter Segeltag. Der Hafen überrascht angenehm und verfügt über sehr gute Infrastruktur.
Wegen eines Frontdurchgangs legen wir einen Ruhetag ein. Der Wind hat mit der Front von W auf S/SSW gedreht, starker Regen, nur ein kurzer Nachmittagsspaziergang.

Göteborg – Lilla Bommen

Von Öckerö nach Göteborg fahren wir mit der Maschine. Es ist eindrucksvoll, am großen Hafen vorbeizufahren und auf dem Göta Älv in die Großstadt einzulaufen. Helga springt beim Anlegen mutig vom Anker auf den niederen Betonsteg. Ihre große Zehe ist schwer beleidigt und schmerzt. Im Ankerkettenkasten liegt die klappbare Bordleiter für den Bugkorb, -wir Anfänger hatten daran nicht gedacht! Der Stadtbummel entfällt leider. Abends paddle ich durch die Kanäle der Stadt, sehr schön!

Helga kann heute wieder Schuhe anziehen. Der erste Weg führt uns zur nahen Aussichtsplattform im weiß-roten Büroturm „Lippenstift“. Von dort oben hat man eine großartige Aussicht aus Göteborg.

Lerkil

Ein schwacher Segeltag mit wenig Wind und abschließend völliger Flaute. Wir kommen bis Lerkil, ein guter Hafen. Mit dem Dinghy fahren wir auf eine Schäre zum Baden, -so machen es die Schweden. Den Abend genießen wir auf der Dachterasse eines Restaurants. Der folgende Tag ist sonnig und ruhig und ich genieße eine wunderbare Paddelrunde im Faltkajak in die nahen Schären.

Skalla Hamn

Helga legt ab und segelt das Boot nach Skalla Hamn. Dort ankern wir und gehen baden. In der Nacht frischt der Wind auf, später regnet es. Man sollte grundsätzlich das Boot am Abend so vorbereiten, dass ein Verlassen des Ankerplatzes auch in der Nacht kein Problem wäre.

Donsö

Südlich von Skalla Hamn ändert sich die Landschaft. Es gibt es keine Schären mehr und wir beschließen daher, wieder nach Norden zu fahren. Im Seebereich vor den der Radaranlagen von Fjärhals stehen unangenehme Wellen und der Wind schläft ein. Etwas weiter im Norden ist die Luft klarer und es ist sonniger. Tatsächlich ist nach kurzer Motorfahrt schönes Segeln bei gutem Wind und glatter See möglich. Das rettet den Tag!
In den südlichen Göteborger Schären gelegen ist Donsö ein attraktiver Fischerhafen. Wir bleiben einen Tag und spazieren am „Naturstig“ entlang der Küste und zum Leuchtfeuer.

Fotö

Der Tiefgang und die freie Durchfahrtshöhe unter Brücken bestimmen die Kurse in dieser Inselwelt mit. Hier müssen wir nach Westen Richtung Donsö Svartskär auslaufen. Viele Küstenorte in Schweden haben eine vorgelagerte Insel, welche Svartskär heißt. Sehr schönes Segeln heute, wir kreuzen nach Norden über den Vingasand und laufen in den Hafen von Fotö ein. Das ist ein reizender, aber winziger Hafen mit einer sehr schmalen Einfahrt. Wir machen einen Erkundungspaziergang und fahren dann dem Schlauchboot zum Baden.

Källo Knippla

Von Fotö fahren wir nördlich von Vinga aus den Schären in das Kattegatt hinaus. Draußen erwartet uns entspanntes Segeln bei 3 Bft Süd. Etwas Aufmerksamkeit ist aber doch gefordert, hier liegen nicht übersegelbare Netze. Diese sind mit Bojen und Fähnchen gekennzeichnet.
Rorö soll schön sein, ist aber voll. Ebenso Hyppeln. Wir motoren nach Källö-Knippla und werden vom Hafenmeister um das Hotelgebäude herum gewunken, dahinter ist -wie ein Parkplatz- ein weiteres Hafenbecken. Dort sind ganz vorne noch freie Bojen. Sehr langsam zwänge ich das Schiff zwischen die beiden kleineren, schwedischen Boote. Die erste Verwendung des Bojenhakens klappte gut.

Wir bleiben noch einen Tag hier. Es ist Wochenende, Hochsaison und die Aussicht auf einen besseren Hafenplatz ist gering. Ich drehe eine Paddelrunde um die Insel, aber die ist nicht groß. Helga spaziert zum Badeplatz.

Mossholmen

Wir verlegen nach Mossholmen, Insel Tjörn. Leider ist wenig Wind, wir segeln aber trotzdem bis Höhe Marstrand. Ab dort motoren wir in die große Marina. Diese liegt in geschützter Lage hinter Klädesholmen und hat eine recht verwinkelte Einfahrt.

Skärhamn

Am Morgen schraube ich die Bodenbretter ab und ziehe die Logge zum Reinigen. Das kleine Rad hat schon nach kurzer Zeit Bewuchs drauf. Offensichtlich fehlt auch ein O-Ring und der Sicherungsdraht! Das kann behoben werden. Wir sehen uns noch Klädesholmen an. Der Ort ist bekannt für seine Fischkonservenprodukte. Es ist arg heiß heute und wir beschließen, über das Außenfahrwasser ins nahe Skärhamn zu verlegen.
Skärhamn ist der Hauptort auf der Insel Tjörn. Im Hafen liegen schöne, alte Museumsschiffe. Der Wind passt und die gereinigte Logge zählt wieder gut. Die Differenz kommt vom Strom, der mit 0,7 Knoten nordwärts setzt.

Käringön

Beim Ablegen von der Heckboje mit Seitenwind gab es erhebliche Schwierigkeiten. Zukünftig, so nehmen wir uns vor, werden wir mit einer Hilfsleine an der luvseitigen Mittelklampe arbeiten.
An diesem Tag sind wir fast ausschließlich unter Motor gelaufen. Wir fahren durch den schönen Kyrkesund und den Mollösund. Ein pittoresker Ort, hier sollte man auch einmal bleiben. Aber schlechtes Wetter kündigt sich an, daher fahren wir bis Käringön weiter.
Die Boje in Käringön hatten wir nicht beim ersten Mal erwischt. Das erregt Aufmerksamkeit, und der Schwede mit der Hallberg-Rassy 34 von nebenan übernahm die Bugleine. Noch ist es extrem heiß, wir gehen Schwimmen.


Gullhomen

Sehr kurz aber spannend. Auch das Ablegen in Käringön machte arge Probleme. Unser Bojenhaken war so eng, dass er unbemerkt auffederte und sich daher fest um den dicken Bojenring schloss, als wir ihn setzten. Händisch ließ sich dann beim Ablegen nicht mehr vom Ring der Boje lösen. Wir hatten die Bugleine schon geslipt, waren nun aber am Heck gefesselt. Das Schiff geriet außer Kontrolle, bald standen wir quer zum Steg. Gut, dass keine anderen Boote da waren. Ich holte den großen Fäustel und schlug den Haken von der Boje. Abends bog ich den Haken auf.
Es wäre gut gewesen, den Haken einfach zurückzulassen und mit einem weiteren Manöver wieder abzuholen. Mittlerweile verwenden wir aber besseres Material als simple Nirodrahthaken.

Die schöne Durchfahrt nach Gullholmen kann auch gesegelt werden, wie uns die Schweden vorführten. Die Strecke ist aber von Linien- und Arbeitsschiffen sowie Freizeitbooten stark frequentiert. Wir trauten uns noch nicht zu, hier zu segeln. Die Dichte an Seezeichen ist sehr hoch, aus einer Position sieht man hier 12 Stück.

Das Anlegen in Gullholmen schien einfach, aber es herrschte ablandiger Wind und ich versuchte es am hohen Steg zweimal. Am niederen Steg konnte ich dann das Schiff kaum zum Stehen bringen. Strom! Also Anfahren im Rückwärtsgang und die Heckleine zuerst belegen. Warum nicht gleich? Bei der Paddeltour am nächsten Tag stellte ich fest: im Kanal zwischen den Inseln kann soviel Strom sein, wie in einem Fluss.
Gullholmen ist eine absolut reizende, dicht bebaute Insel und, ebenso wie Marstrand autofrei.

Svineviken

Das Ablegen mit dem Radeffekt gegen Wind und Strom klappt gut. Wir verziehen uns für einige Tage in die Werft, um das prognostizierte Schlechtwetter dort abzuwarten.