Hawksnest Bay, St. John

Die Hawksnest Bay liegt in einem Nationalpark, unweit unseres gestrigen Liegeplatzes. Wir möchten an Land gehen, eine kleine Wanderung wäre fein. Aber der Außenborder streikt. Wir zerlegen den Motor an Deck und nehmen den Tank und den Vergaser ab. Es kommt, wie es kommen musste: eine Dichtung fällt ins Wasser. Mit einem spontanen Sprung über die Reling kann ich die langsam versinkende Dichtung retten. Meine ebenfalls sinkende Lesebrille ergreife ich auch noch! So eine Showeinlage des Skippers erheitert jede Crew.
Nach einer Vergaserreinigung mit Aceton springt er sofort an. Aber als wir Richtung Strand fahren, stirbt er wieder ab. Von der Insel St. John sehen wir daher außer dem U.S. CPB Büro gar nichts. Viel Regen, kein Landgang. Die Stimmung an Bord ist nur mehr mäßig. Auch meine Anstrengungen in der Pantry ändern da nicht viel.

Charlotte Amalie, St. Thomas

Heute ist einmal ein Schönwettertag, gleich von der Früh weg. Wir stehen zeitig auf und fahren nach Charlotte Amalie. Das Current Hole wird seinem Namen gerecht, starke Strömung steht hier in der Meerenge bei Great Saint James Island. In der Crown Bay Marina bunkern wir Diesel. In direkter Nachbarschaft zum Industriehafen ist es hier extrem laut. Aber wir wollen ohnehin nicht bleiben und gehen an eine Boje vor der Haupstadt Charlotte Amalie.
Helga spürt, dass der Benzinhahn des Außenbordmotors nicht funktioniert. Das ist einfach zu beheben. Begeben Sie sich grundsätzlich niemals ohne Ihre Frau auf eine Segelreise!

Die Stadt ist recht hübsch. So viele Uhren- und Juweliergeschäfte sahen wir noch nie in einer Strasse. Bei der Charterfirma Waypoints treffe ich auf einen freundlichen und hilfsbereiten Stützpunktleiter. Hier können wir eine Propangasflasche und den passenden Regler kaufen. Der Brennstoff für die Pantry ist für die bevorstehende Atlantikfahrt sehr wichtig.

Wir besuchen das Lokal Greengos, sitzen in einer Gasse und essen Tacos mit Chorizo und Chicken Taquito.

Beim Außenborder bricht nun der Verbindungsdraht vom Choke Hebel zum Vergaser ab. Das Motörchen läuft aber trotzdem und bringt uns zurück zur Yacht. Interessant anzusehen sind hier die Starts und Landungen von Wasserflugzeugen. 

Vormittags fahren wir mit dem 2-Dollar-Bus zu einer Wäscherei. Wir sahen da schon besseres, aber wir müssen waschen. Eigenartig ist auf dieser Insel der Linksverkehr mit linksgesteuerten Autos.
Nachmittags besichtigen wir das im Jahr 1671 erbaute Fort Christian und das darin befindliche Museum. Die Insel war ja ursprünglich in Dänischem Besitz und wurde, gemeinsam mit St. John und St. Croix nach dem ersten Weltkrieg von den Dänen an die USA verkauft.

Der Weg auf den Government Hill führt über eine Stiege. Wir kommen an Regierungsgebäuden und einer feinen Wohngegend vorbei. Der First Lady´s Park lädt zu einer Pause ein. Unser Ziel ist der Blackbeard Castle genannte Turm, den wir schon vom Boot aus erblickt haben. Dieser wurde von den Dänen erbaut und der Legende nach auch von Blackbeard benutzt. Das hier befindliche Hotel wird zwar gerade renoviert, aber man winkt uns herein. Die Aussicht von dort oben ist großartig. Viele Bronzestatuen von Seeräubern zieren den Hof. Auch eine Piratin ist dargestellt, vermutlich Anne Bonny.

Ich mache das Boot seeklar, wir laufen in der Abenddämmerung mit Ziel Puerto Rico aus.

Auslaufen zur Nachtfahrt

San Juan, Puerto Rico

Die Ansteuerung von San Juan zieht sich. Die beiden Marinas antworten nicht auf Funkanrufe, Anfragen per E-Mails beantworteten sie auch nicht. Also ankern wir im Hafen.

Ich mache mich auf zu den Behörden. In der Großstadt mit zwei Millionen Einwohnern gibt es keinen öffentlichen Steg für das Dinghy. Dafür patroullieren drei Polizeibeamte langsam mit einem Schlauchboot im Hafen. Im U.S. Customs and Border Protection Büro im Panamerica Terminal sind die Beamten freundlich, verweisen mich aber auf die App. Also reiche ich die Ankunftsmeldung online ein. Kurz danach läutet mein Handy und ich muss ein längeres, anstrengendes Videointerview mit dem Officer absolvieren. Auch die Crew muss in die Kamera lächeln und ihre Stempel in den Pässen vorzeigen. Wir hätten uns in Charlotte Amalie abmelden müssen. Außerdem haben wir kein Cruising Permit. Es folgt eine Zurechtweisung und „…you are due for search“. Aber dann macht sie es doch möglich und ich erhalte eine Nummer durchgesagt, ein Courtesy Permit. Auch der schon im Raum stehende Besuch von Beamten am Bord blieb uns erspart. 
Nun ist es später Nachmittag. Heute reicht es mir wieder einmal. Mit dem Behördenkram kann man leicht ganze Tage verbringen! Wir werden dieses Land bald wieder verlassen.

Der nächste Tag ist besser, Old San Juan mit seinen bunten Häusern gefällt uns sehr gut. Zuerst besuchen wir die Festung Castillo San Cristobal. Von da oben hat man einige gute Ausblicke auf die Stadt und den weitläufigen Hafen. Monika lädt uns ein, wir essen in La Carreta sehr gut.

Es geht weiter zum alten Tor Puerta de San Juan, und über die weitläufige Esplanade zur imposanten Festung San Felipe del Morro. Die Spanier begannen den Bau 1539 und bauten 250 Jahre lang daran weiter. Der hervorragende Hafen mit Frischwasser war ideal zwischen Europa am Zugang zur karibischen See und den Reichtümern der Neuen Welt gelegen. 1625 griffen die Niederländer die Festung und die Stadt an, sie konnte nur knapp gehalten werden. El Morro und die Insel wurde 400 Jahre lang erfolgreich verteidigt. In der Stadt fallen europäische Architekturmerkmale auf und man spricht Spanisch. In der Hitze des Nachmittags zieht mich eine Bar mit guter Musik an, da fühlen sich auch die Frauen wohl.

Unsere Wassertanks werden bald leer sein. Ich spreche deswegen in der Marina vor. Mit Erfolg, wir dürfen am Steg anlegen, auffüllen und haben nun eine Sorge weniger. Nachmittags gehen wir baden und einkaufen. Das ist eine arge Schlepperei, weil wir auch Flaschenwasser benötigen.

Für die bevorstehende Reise sind noch einige bürokratische Vorbereitungen notwendig. Bermuda verlangt vor der Einreise eine Maritime Declaration of Health. Das ausgefüllte, unterschriebene Formular reiche ich per E-Mail ein.
Dann muss ich noch ins U.S. CBP Büro. Ich benötigte das „Form 1300“, welches die Ausreise bestätigt und für das Einklarieren in Bermuda notwendig ist. Ich trete freundlich auf und der Officer ist es auch. Eine Abfahrtsmeldung kann per ROAM App nicht abgeben werden.
Wieder am Boot reiche ich noch die Onlinevoranmeldung mit dem voraussichtlichen Ankunftstag bei Bermuda Marine and Port Service ein und erhalte eine Bestätigung. Ebenso wichtig ist es, das Guthaben des IRIDIUM Satellitentelefons zu aktivieren, sonst wäre das teure Gerät im Notfall völlig nutzlos.

Dann fahren wir noch einmal für ein paar Stunden in die Stadt und nehmen noch ein Seiterl San Juan Bier im Hafen. Das Taxi ist pünktlich da und Monika verlegt ins Hotel, um anderntags schon am Flughafen zu sein.

Hafen, San Juan

Wir gehen nochmal ein paar Kleinigkeiten einkaufen. Das Schiff wird gereinigt, das Deck aufgeklart, alles verzurrt und gesichert, Beschläge und Rigg kontrolliert. Morgen beginnt die Atlantikreise, aber wir beide sind recht gelassen.


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