Die Behördengänge sind in der Karibik meist mit einigem Aufwand verbunden und werden in den verschiedenen Ländern recht unterschiedlich gehandhabt.
Es existiert keine einheitliche Softwareplattform, alle englischsprachigen Inseln verwenden Sail-Clear. Die Online-Voranmeldung wird von den Behörden in eine fünffache Papierausfertigung verwandelt, diese benötigt man dann zum Vorsprechen bei Zoll, Einwanderung und Hafenbehörde. Manchmal auch ist Port Health erforderlich, dazu oft auch viel Geduld und Bares. Am kompliziertesten ist es sicherlich in Trinidad, am teuersten in Antigua.
In den französischen Inseln interessiert sich niemand für das sonst sehr wichtige Ausklarierungsdokument der vorher besuchten Insel. Auch Pässe werden nicht angesehen oder gestempelt. Man gibt seine Daten selbst in ein System ein, der kostenpflichtige Ausdruck wird vom Hafenkapitän unterschrieben. Das ist an sich sehr einfach, aber die Computer der Behörden können z.B. auch in Geschäften für Schiffsausstattung stehen und sind dann nur mit aktueller Gebietsführerliteratur zu finden.
In den Karibikinseln, die von vielen Fahrtenseglern besucht werden, wird man oft freundlich abgefertigt. Völlig anders ist es in den BVI und vor allem in den USVI, wo wir mit Abstand die schlechtesten Erfahrungen machten. Hier fühlten wir uns nicht als Gäste, sondern schlicht und einfach nicht willkommen.
Ausflug in die U.S. Virgin Islands um die Visa zu aktivieren
Mit einem ESTA Visa Waiver darf man nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln einreisen. Erst wenn der Stempel im Pass ist, darf man mit der Yacht einreisen. So ist es überall nachzulesen. Das kostet uns nicht nur USD 275.- für die Fähre und noch einmal Port Fee bei der Wiedereinreise in die BVI, USD 20,- pro Nase, sondern auch einige Nerven.
Im U.S. Customs and Border Protection Büro in Cruz Bay erwartete uns ein zäher und unwürdiger Prozess. Die Beamtin ist streng und auch ausgesprochen unfreundlich. Gesichtsfoto, Fingerscan, Daumenscan, beide Hände. Dann erst werden unsere Pässe gestempelt und wir könn(t)en 90 Tage in den USA bleiben.
Vor der Rückfahrt müssen wir noch einmal die umfangreichen Online-Fragebögen für die neuerliche Einreise in die BVI ausfüllen. Das ist am Handy sehr mühsam und gelingt uns im WLAN des Terminals nur knapp vor der Abfahrt der Fähre.
Bei der Wiedereinreise will der überaus ruppige Beamte von Immigration genau wissen, wann wir die Inseln wieder verlassen werden. Bereits etwas eingeschüchtert geben wir nun ein wesentlich früheres Datum an, als bereits im Pass genehmigt. Bei Customs prüft man unsere Angaben nur oberflächlich. ESTA Activation als purpose of the trip genügt diesem Beamten. Was für ein Aufwand, in allen Aspekten unerfreulich!
Ausreise aus den British Virgin Islands
Am Morgen ist der Officer sehr mit dem Abfertigen der Passagiere einer Fähre beschäftigt. Später warten schon einige Skipper von Charterkatamaranen, welche alle ganze Pakete von Pässen in der Hand halten. Aber nun ist der Customs Officer nicht anwesend und kommt erst nach geraumer Zeit wieder. Sein Uralt-Computer braucht mehrere Minuten, nur um ein Formular zu laden. Dann ausdrucken, stempeln, unterschreiben und Gebühren bezahlen. Nun muss ich noch zu Immigration, eines der Formulare abgeben und die Pässe scannen und stempeln lassen. Geschafft!
Einreise in die U.S. Virgin Islands
Ein Zugang zu U.S. Customs and Border Protection auf dem Landweg ist gar nicht vorgesehen. Im Büro wird es dann ernst, wir werden auf die Schalter aufgeteilt. Als sich herausstellt, dass wir mit einem ESTA eingereist sind, stellt man uns die Frage, wie wir wieder ausreisen werden. Wir sollen unsere Rückflugtickets vorzeigen! Aber niemand von uns hat Tickets. Das ist bei ESTA Visa Waiver nicht vorgesehen und wird insbesonders bei der Crew nicht toleriert. Jetzt ist die Situation schwierig und die Atmosphäre extrem angespannt. Frau Officer demonstriert uns, was sie drauf hat. Ich habe das Gefühl, dass man uns abweisen wird und das wäre mir in diesem Moment auch bereits egal gewesen.
Monika argumentiert geschickt, dass sie noch nicht gebucht hat, weil wir ja mit einem Segelboot reisen und daher im Voraus nicht genau sagen können, wo wir zu welcher Zeit sein werden. Das scheint auch der Diensthabenden einzuleuchten. Trotzdem verlangte sie immer wieder, dass Monika sofort ein Rückflugticket bucht.
Warum ein Ticket als eine Garantie dafür angesehen wird, dass jemand das Land auch wieder verläßt, ist mir bis heute nicht klar. Nun hole ich meinen mehrseitigen und bebilderten Törnplan hervor. Ich erkläre ihr die bisherige und die weitere Fahrtroute und die Absicht, das Land in San Juan, Puerto Rico wieder verlassen zu wollen.
In dieser Einreisestelle waren wir ja schon vor einigen Tagen. Wir wenden nun ein, dass wir bei der ESTA Aktivierung bereits angegeben haben, mit dem Boot einreisen zu wollen und erwähnten auch den Namen der Beamtin. Das ändert die Situation überraschend zu unseren Gunsten. Offensichtlich hätte diese uns detailliert aufklären sollen, hatte das aber verabsäumt. Jedenfalls griff Frau Officer nun zum Hörer und rief ihren Vorgesetzten an. Nach dem Telefonat wurde Monika eindringlich darauf hingewiesen, dass sie zukünftig nur mit Rückflugticket auf ESTA Visa Waiver einreisen darf, aber heute eine Ausnahme gemacht wird.
Ich gebe zwischenzeitlich gestresst die Schiffs- und Crewdaten in einem Terminal ein. Das gelingt nur fehlerhaft, weil die Tastaturbelegung anders ist. Die Beamtin berichtigt und der Datensatz wird erneut hochgeladen. Dann erscheint eine Meldung, deren letzter Satz lautet: Enjoy your stay! Genau damit tun wir uns derzeit doch ein bisschen schwer.
Fazit: Machen Sie es nicht so wie wir!
Hinweise für Segelreisen in die USA oder deren Außengebiete
Der beste Tipp zuerst
Fahrtensegler aus Europa sahen wir in den BVI und USVI nur sehr vereinzelt. Hier ist man nur auf die großen Geldbringer Yachtcharter und Kreuzfahrtpassagiere eingestellt. Wenn Sie dem enormen Charterbetrieb, den hohen Preisen und der unwürdigen, herablassenden Behandlung durch Beamte mit allmächtigen Befugnissen ausweichen wollen, dann segeln Sie einfach von Saint Martin aus an diesen Inseln vorbei nach Bermuda oder direkt zu den Azoren.
Wenn Sie trotzdem in die USVI möchten, aber das Beschriebene nicht selbst erleben wollen
- Reisen Sie, entgegen den Angaben in den aktuellen nautischen Führern oder auch seriösen Webseiten wie noonsite, unbedingt nur mit einem B-1 / B-2 oder B-2 Visum auf eigenem Kiel in die USA ein!
- Miteinreisende Crew muss bei der Einreise ein Rückflugticket vorweisen können!
- Sie benötigen unbedingt Internet an Bord für Meldungen und Videointerviews.
- Sie können bereits zuhause bei U.S. Customs and Border Protection mit der ROAM App einen Account eröffnen. Dafür brauchen Sie zusätzlich zwingend eine Authenticator App. Nach einigem Suchen werden sie eine kostenfreie Anwendung finden, die funktioniert. Die ROAM App greift auf Ihren Standort zu, Meldungen können nur im Staatsgebiet der USA abgegeben werden.
Nach Eingabe der Schiffs- und Personendaten können Sie auf diesem Weg U.S. CBP recht einfach von Ihrer Ankunft in jedem Hafen benachrichtigen und erhalten entweder eine Einladung zu einem unangenehmen Videointerview oder nur eine „Approved“ Meldung. Zusätzlich erhalten Sie eine E-Mail mit der CBP ROAM TRIP ID und die PBRS Clearance Nummer.
- Vergessen Sie keinesfalls, bei der Einreise eine Cruising License zu beantragen! Dafür müssen Sie lediglich das Häkchen im entsprechenden Feld setzen. Später ist das nicht mehr möglich!
- Die Behörden wollen von jeder Schiffsbewegung informiert werden.
- Als Besucher erhalten Sie in den USA nirgends ein Stück Papier, – auch keines, das Ihre Ausreise bestätigt. Weil Sie aber ein solches Zarpe (U.S. CPB Form 1300) bei der Einreise im nächsten besuchten Land benötigen, müssen Sie dieses persönlich in einer U.S. CBP Dienststelle beantragen.
- Wenn Sie nicht korrekt ausreisen, kann Ihnen bei einer weiteren Einreise overstay vorgeworfen und die Wiedereinreise verweigert werden, ….falls Sie überhaupt noch einmal in die USA wollen – ein Land, das sich auch dafür interessiert, welche Social Media Plattformen Sie aktuell benützen und Ihr Mobiltelefon ganz legal durchsuchen darf.