und nachher auch gleich wieder…
Bootspflege und Instandhaltung
An dieser Stelle möchte ich die vielen Punkte der langen Liste gar nicht aufzählen. Segler wissen, dass jedes Jahr viel zu tun ist. Allerdings sind neben den Routinearbeiten die Schwerpunkte jeweils etwas anders gelagert.
Wir waren heuer schon einmal mit dem Auto beim Boot, um mit den Arbeiten zu beginnen, nicht gebrauchte Ausrüstung nach Hause zu transportieren und neues Equipment anzuliefern. Wir konnten die Rettungsinsel bequem zum Service liefern und es bot sich auch die Möglichkeit, das Motorrad mitzubringen. Hervorragende und abwechslungsreiche Touren führten durch Kastilien, die Nationalparks Somiedo und Las Ubinas La Mesa nach Oviedo und Leon.







Elektronik
Ein altes Funkgerät wurde ausgebaut und beide Solarpaneele erneuert. Der Autopilot machte bereits in der Karibik Probleme und musste ersetzt werden. Diese Einheit ist der zentrale Elektronikbaustein im Boot und muss unbedingt zuverlässig funktionieren. Hier laufen die Daten aller Peripheriegeräte und Sensoren in einem SeaTalk (CAN) Bus durch. Außerdem werden viele dieser Geräte über diesen Bus mit Spannung versorgt. Der Austausch will also gut geplant sein. Eine Collage mit Ausschnitten aus den diversen Betriebsanleitungen schaffte hier bald Klarheit.
Das Teakbrett am Steuerstand wurde geschliffen, mehrmals lackiert und die Fernbedienungseinheit des Autopiloten darunter montiert. Abschließend wurde ein neuer Kartenplotter installiert und auch mit dem SeaTalk Bus verbunden.
Nach den grundsätzlichen Einstellungen an Land und der Linearisierung auf See arbeitet das modernisierte System nun ganz hervorragend.




Oberflächenpflege
Zuerst mussten einige kleinere Gelcoatschäden am Rumpf ausgebessert werden.
Die Kunststoffoberflächen werden vor längeren Standzeiten an Land gereinigt und mit einer schützenden Wachsschicht überzogen. Das trockene Wachs läßt sich nach dem Winter erst dann auspolieren, wenn man es mit frischer Politur anlöst.






Die intensive Sonne in den niederen Breitengraden der Tropen schadete allen Kunststoffteilen, vor allem jenen mit Weichmachern. Die Oberflächen verfärbten sich und wurden klebrig und fleckig. Die Lüfterhutzen mussten wir austauschen und die Markierungsboje ist arg mitgenommen.



Das Teakdeck
Unser Boot ist nun mehr als 25 Jahre alt. Es hatte bei den Vorbesitzern sehr viel Zeit in einer trockenen Halle verbracht. Wir sind damit aber 20.000 Seemeilen gefahren und haben etwa drei Jahre an Bord gelebt. Es verbrachte eine heiße und feuchte Hurricanesaison in Chaguaramas, Trinidad und überwinterte im rauen Klima Galiciens in Spanien.

Wir waschen unser Deck gelegentlich, jedenfalls aber nach Passagen, mit Süßwasser ab. Die ständigen Witterungseinflüsse nützen auch das widerstandsfähigste Holz ab. Die Vorbesitzer ließen das Deck bereits einmal schleifen, das dürfte nun etwa zehn Jahre her sein. Nun standen die Verfugungen etwa 2 mm über und es wurde Zeit für eine Überholung.

Die Teakleisten haben einseitig Ausnehmungen, welche die Verfugungsmasse aufnehmen. Die Leisten sind in ein Bett aus Silikonkautschuk verlegt. Die Verschraubungen sind mit Niro Torx-Flachkopfschrauben 15×4 mm ausgeführt und mit Teakpropfen verschlossen. Das Deck selbst besteht aus dem Außenlaminat mit Gelcoatschicht, dem Schaumkern aus Divinycell und dem Innenlaminat. Zeichnung nicht maßstäblich, eigenes Werk M.S.
Als erster Schritt wurden die Verfugungen mit einem speziellen Abstoßmesser auf 0,5 mm geschnitten. Das geht recht zügig, ein Japanmesser hilft bei kniffligen Stellen. Das Deck wurde anschließend mit der Maschine und Schleifblättern der Körnung 80 leicht überschliffen. Dabei wurden vor allem die noch überstehenden Verfugungen bearbeitet. Manche Leisten zeigen tiefere Verwitterungen, besonders am Bug. Diese Vertiefungen bleiben silbergrau und das Deck sieht nach dem Schleifen etwas fleckig aus.



Viele Verschraubungen verloren bereits ihre Propfen oder waren so dünn, dass sie beim Schleifen herausfielen. Nach Entnahme der Schraube kann die Bohrung mit einem Flachsenker perfekt tiefer gesenkt werden. Die Schraube wird wieder eingesetzt und ein neuer Propfen mit Epoxidharz dicht eingeklebt. Nach dem Aushärten des Harzes kann der Überstand leicht abgespalten und bündig geschliffen werden. Die Bohrungen im Deck stellen auch bei fehlendem Propfen kein Problem dar, da der Divinycell Schaum kein Wasser aufnimmt, weil er geschlossenporig ist. Im Flugzeugbau verwendet man ebenfalls dieses Material als Kern für Sandwichlaminate.

An einigen wenigen Stellen musste auch die Verfugung erneuert werden. Mit Spezialwerkzeug und Sikaflex ist das keine Schwierigkeit.


Abschließend wurde das Deck gebürstet und gespült. Für die Überholung benötigten wir etwa dreieinhalb Arbeitstage. Nun sieht das Deck fantastisch aus und wird bald wieder eine gleichmäßige, silbrig graue Färbung annehmen.


Wenn man sich beim Anblick des etwas verwitterten Decks Sorgen um dieses macht, sollte man eine Überholung in Angriff nehmen! Dann erkennt man, wie solide Hallberg-Rassy früher die Decks ausführte.
Gute Teakdecks nutzen sich sehr langsam ab. Wenn sie schonend behandelt wurden, ist meist noch eine Holzstärke vorhanden, die für viele weitere Jahre ausreicht. Bei unserem Schiff ist das Holz jedenfalls immer noch stärker als das, was man heutzutage, etwa um den Gegenwert eines Mittelklasse PKW´s, bei einem neuen Schiff als Option bestellen könnte! Während Hallberg-Rassy früher kein Schiff ohne perfektes Teakdeck auslieferte, so ist nun jeder Decksbelag eine Option. Auch synthetisches PU-Teak steht zu hohen Preisen auf der Liste. Fraglich, ob es tatsächlich umweltfeundlicher als echtes Teak ist. So schön ist es aber keineswegs.
Einwassern
Bei Hallberg-Rassy Yachten ist im Motorraum eine Handpumpe installiert, mit welcher Diesel von der tiefsten Stelle des Tanks entnommen werden kann. Das ist zur Kontrolle auf Verunreinigungen und Wasser sehr praktisch. Diese Probe sieht ausgezeichnet aus.

Nicht vergessen sollte man das Nachladen der Starterbatterie und der Batterie des Bugstrahlruders. Sonst kann man nach dem Einwassern den Schiffsdiesel nicht anwerfen. Dann kann auch schon der Travellift und die Crew kommen und das Boot wieder in sein Element heben.
