São Jorge, Velas
Der Hafenmeister in Velas sichert uns am Telefon einen Platz im Hafen zu. Mit starkem Wind segeln wir schnell, aber es steht viel Welle und zwischen den Inseln ist typische Düsenwirkung bemerkbar. Am Empfangssteg erwartet uns der Hafenmeister und weist uns längsseits an eine französische Yacht. Der Hafen ist klein und ruhig. Er bietet aber exzellenten Schutz durch eine hohe Aufschüttung und die benachbarte, 200 m hohe Felswand.

Heute ist Sommersonnenwende. Wir stehen früh auf, weil die Nachbarn verlegen. Nun bekommen wir einen Platz in einer Box. Die ist zwar sehr kurz, wir liegen aber gut.
Wir sehen uns den netten Ort an, gehen durch den sehr steilen botanischen Garten auf die Klippe und entlang der alten Strasse wieder herunter. Möglicherweise ist diese Straße eine der steilsten der Welt. Der Skipper einer Benneteau 43 spielt im Cockpit auf seinem Saxophon und die hohe Felswand sorgt für eine gute Akustik.










Ausfahrten mit dem Roller
Wir mieten einen Scooter und fahren damit eine große Runde im Nordwesten von São Jorge. Unsere Route führt uns über Rosais zum Parque Florestal das Sete Fontes. Von dort geht es durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet zum nicht mehr benutzten Leuchtturm Ponta dos Rosais. Daneben, auf 200 m Seehöhe, steht der Vigia da Baleia. Das ist ein alter Walfangausguck mit allerbester Rundumsicht.



Entlang der Nordküste fahren wir über den Miradouro Ferrã Afonso, dann zum Baloiço Fajã de João Dias.


Von Norte Grande fahren wir hinunter zur Fajã do Ouvidor, wo wir einen Spaziergang entlang der eindrucksvollen Klippen unternehmen. Letzte Station an der Nordküste war der Lavafelsbogen Arco da Fajã da Ribeira da Areia.







Die Schotterstrasse über die zentrale Bergkette nach Urzelina war mit vielen Baustellen garniert. Vom Miradouro da Transversal überblickt man weite Teile der Südwestküste der Insel. São Jorge ist etwa 56 km lang, aber nur 8 km breit. Der Pico da Esperança und andere Berge sind allerdings über 1000 m hoch. Schließlich hat man von der Küstenstrasse aus einen tollen Tiefblick auf Velas und seinen Hafen.


Am nächsten Tag erkunden wir den Südostteil der langgestreckten Insel und fahren nach Ladeiras Richtung Faja das Almas. Der größere Ort Calheta bietet sich für eine Pause an. Leider können wir das moderne Museu Francisco de Lacerda in der umgebauten Konservenfabrik nicht besuchen.



Ab hier steigt die Strasse an und führt über die Berge nach São Tomé und weiter nach Topo. Dabei ist der mächtige Pico auf der Nachbarinsel immer prominent im Bild. Oben ist es kühl, man kommt den Wolken nahe, kann aber auch die fantastische Aussicht genießen, wie etwa am Miradouro das Pedras Brancas.





Topo ist ein kleiner Ort mit einem winzigen Hafen für das Versorgungsschiff und die Fischer. Es gibt hier auch viele Weingärten und einen Leuchtturm. 400 m vor der Küste liegt die flache Ilhéu do Topo, ein Vogelreservat. Im Hintergrund erblicken wir schon die Insel Terceira, unser nächstes Ziel. Für den Rückweg wählen wir eine etwas andere Route und kaufen abschließend in der União de Cooperativas Agricolas de Lacticínios de São Jorge sehr guten Käse. Sehr empfehlenswert!





Wir verbringen noch einige Tage in Velas, uns gefällt es hier.




Terceira, Angra do Heroismo
In der Nacht fliegt ein Cory´s Shearwater Calonectris borealis ins Rigg und fällt an Deck. Hoffentlich hat er sich nicht einen Flügel gebrochen. In den Felswänden nistet eine Kolonie dieser großen Seevögel. Sie sind die ganze Nacht aktiv, fliegen und erzeugen eine typische Geräuschkulisse.
Wir stehen früh auf und laufen aus. Guter, aber böiger Wind weht im São Jorge Kanal. Entlang der Südostküste segelt es sich ganz hervorragend. Weiter draußen sieht die Meeresoberfläche anders aus, und der Wind tendiert schwächer zu werden. Die kräftige Welle bringt das Schiff leicht vom Kurs ab. Vor dem Monte Brasil ist die Welle richtig unangenehm. Wir wechseln auf Fock und fahren in den Hafen. Die vielen Yachten in der Bucht rollen kräftig und sogar am Empfangssteg ist es auch noch sehr unruhig. Wir bekommen problemlos einen Platz am Steg, das ist ideal für einen längeren Aufenthalt.







Der erste Landgang führt uns auf den Monte Brasil. Von oben hat man schöne Blicke auf die Stadt. Das Wetter ist warm, mit diffusem, sehr hellem Licht unter tiefer, geschlossener Wolkendecke. Oben gibt es eine Katzenkolonie, eine Flakbatterie und einen Aussichtspunkt mit einer Statue von König Dom Afonso VI.
In der Tasca do Camões laben wir uns mit Spießen und Bier. Abends gehen wir in die Stadt, es ist mächtig viel los. Unzählige Musikkapellen ziehen durch die festlich geschmückte Stadt. Man hat den Eindruck, dass alle Inselbewohner hier unterwegs sind.
















Überrschend schönes Wetter, ich unternehme einen Morgenspaziergang zur Festung Forte de São Sebastião im Hafen. In diese wurde, von außen völlig unsichtbar, ein Hotel gebaut. Das ist schöner als das sehr dominante Angra Marina Hotel. Später gehen wir gemeinsam hinauf zum Obelisken Memória a D. Pedro IV. Ein hervorragender Aussichtspunkt. Von dort erreicht man über eine Stiege den schönen Stadtpark Jardim Duque da Terceira.













Stierkämpfe
Spätnachmittags finden in Porto das Pipas Stierkämpfe statt. Bei der portugiesischen Variante, der Tourada à corda, wird der Stier nicht verletzt und am Leben gelassen. Eine große Menge Zuschauern sind gekommen und sitzen auf dem Kai, auf Steinen, Dächern und Böschungen. Der Knall einer Feuerwerksrakete zeigt an, dass der Kampfstier aus der Box geholt wurde. Eine Mannschaft Mascados da Corda hält ihn an einem langen Seil gesichert, gibt ihm aber Bewegungsspielraum.




Die agressiven Tiere werden von jungen Männern mit einem roten Tuch Muletta oder Regenschirmen immer wieder provoziert und getäuscht. Einer war nicht geschickt oder schnell genug. Er wird vom Stier auf die Hörner genommen und in die Luft geworfen, bleibt aber unverletzt. Das Spektakel mit vier Stieren dauert bis 20:00 Uhr, dann zieht die Menge in die Stadt. Dort defilieren mindestens fünfzehn Blasmusikkapellen. Viele Kostümierte und aufwendig geschmückte Wagen sind zu sehen. Um Mitternacht wird ein sehr schönes Feuerwerk abgebrannt.








Auch heute trockenes Wetter, obwohl anders vorhergesagt. Im Postamt muss man eine Nummer ziehen, dann beginnt das Warten. Ganze 42 Minuten dauert es hier, einen Brief abzusenden. Scooter gibt es hier keine, aber für morgen können wir ein Auto reservieren.
Wir fahren Richtung Westen und auf den höchsten Berg der Insel. Vom Miradouro da Serra de Santa sieht man zu den Inseln Pico, Sao Jorge und Graciosa, auch den größten Teil von Terceira. Von dort fahren wir wieder ab und weiter bis zum Leuchtturm Farol da Serreta und Miradouro da Ponta do Queimado, dann weiter nach Biscoitos. Dort sehen wir uns die Bademöglichkeit in den natürlichen Lavabecken an.





Heute geht´s ab dem späteren Vormittag in der anderen Richtung um die rundliche Insel. Erst entlang von kleinen Nebenstrassen nach Praia Da Vitoria, dann auf den Miradouro do Facho.



Aus der Stadt fahren wir auf den Bergrücken, der eine große Ebene begrenzt. Der Miradouro da Serra do Cume bietet die beste Aussicht über das große Plateau. Schöne Ansichten bieten sich auch beim Moinho Miradouro da Fonte de Bastardo.



Wir fahren über die Ebene, welche ausschließlich landwirtschaftlich genutzt wird. Recht schön waren die Furnas do Enxofre, Fumarolen. Dann besuchen wir noch die Gruta da Natal – die Weihnachtshöhle. Das ist eine Lavahöhle, in der die erstarrten Lavaströme deutlich zu sehen sind. Die landschaftlich schöne Umgebung der Höhle ist auch einen kleinen Spaziergang wert.








Der Hafen in Angra ist tidenbedingt nie ruhig, das Schiff zerrt oft stark an den Festmachern. Trotz zweifelhafter Wetterlage läßt sich Helga nicht abschrecken, sie will in Richtung Spanien abfahren. Wir nutzen das Auto noch zum Einkaufen und für die Fahrt zum Waschsalon. Noch ist etwas Zeit zum Entspannen, morgen geht es wieder auf den Atlantik hinaus.
