Flores
Lajes das Flores
Nach über zwei langen Wochen auf dem Atlantik müssen wir in Lajes das Flores ankern. Der Hafen ist noch immer nicht völlig instandgesetzt. Die Steganlagen fehlen, es gibt auch keinen Platz entlang der Kaimauern. Aus dem Dinghy muss man über eine lange Leiter aus dem Hafenbecken klettern. Am nächsten Morgen weckt uns das Pilotboot. Das Versorgungsschiff wird bald einlaufen, wir müssen an einem anderen Platz ankern. Also verlegen wir. Einklarieren kann man nicht, das Büro der Nationalgarde ist geschlossen. Der Hafenmeister meint, das können wir mit einem in der EU-registrierten Schiff auch später in Horta noch machen.





Mit einem Taxi fahren wir durch den südlichen Teil der Insel zu Aussichtspunkten. Die schönen Farben der Flechten, Moose, Farne und Bäume und die tiefen Wolken wecken Erinnerungen an unsere erste Reise hierher. Die liegt aber schon gut drei Jahrzehnte zurück. Wieder staunen wir über die Landschaft und die besondere Vegetation.






Die Caldeira Branca ist weit und offen. In anderen Caldeiras liegen tief unten schöne, aber unzugängliche Seen. In der Caldeira Negra ist grünes Wasser, die benachbarte Caldeira Comprida hingegen hat einen geheimnisvoll wirkendenden schwarzen See.








Absolut spektakulär ist der Tiefblick vom Miradouro Craveiro Lopes auf die Westseite der Insel und die Ortschaft Fajãzinha. Diese ist wunderbar gelegen und wir haben sie bei der Annäherung von See aus auch schon gesehen.






Von der langen Passage spüren wir noch Müdigkeit und verziehen uns bald aufs Schiff. Wir wollen am nächsten Tag nach Faial. Sieben Boote laufen aus, offensichtlich haben wir gut entschieden. Der Wind ist jedenfalls fein, West mit vier Beaufort, auch abends. Hier ist es um 21:00 Uhr immer noch schön hell. Verglichen mit der Karibik sind wir hier nun 25 Grad weiter im Norden.
Faial
Horta
Am nächsten Morgen um 05:00 Uhr steuern gezählte 15 Yachten Horta an. Der Hafen ist wirklich voll, auch der Ankerplatz ist dicht belegt. Horta ist eben das Seglerzentrum im Atlantik, hier fährt niemand vorbei.
Wir klarieren ein und bekommen wider Erwarten einen Außenplatz an einem 3er-Päckchen am Steg. Wir freuen uns sehr darüber. Das erleichtert das tägliche Leben! Wir verlegen sofort und machen uns auf in die Stadt. Im Cafe Sport trinken wir ausreichend Bier und essen gut.





Am nächsten Tag organisiere ich bei Mid Atlantic Yacht Service den Besuch des Riggers. Eine unserer schwedischen Gasflaschen kann die Firma auch befüllen. Das ist ein klares Anzeichen, dass wir fast schon wieder in Europa sind! Ganze drei Wochen sind wir schon mit dem Wasser aus Bermuda ausgekommen und noch immer ist 1/3 des Haupttanks vorhanden.
In Horta gibt es einen schönen Waschsalon, der hat aber nur drei Maschinen und es ist viel Andrang. Das Procedere dauert bis in den frühen Nachmittag.
Nun will DISTANT SHORES IV auslaufen, aber die davor liegende DRIFTER aus Rotterdam hat keine funktionierende Maschine. Einige Crews helfen und es ist viel Aufwand, das große und schwere Schiff zu verholen. Wir nehmen es längsseits und legen es nachher an den Kai. Nun muss DRIFTER Teile seiner Biervorräte ausgeben.





Schiffslogo auf der Kaimauer
Das Bemalen der Kaimauern durch Segler hat hier große Tradition. Niemand fährt weiter, ohne den Namen seines Schiffs an die Mauer zu malen! Das könnte gar Unglück bringen. Wir entdecken die Logos von Schiffen, die wir in den Lofoten getroffen haben oder die Malerei einer netten schwedischen Crew, die wir von Porto Santo kennen. Auch die Namen von sehr berühmten Schiffen sind zu finden, beispielsweise PEN DUICK II, eine der Rennyachten von Eric Tabarly.
Auch wir möchten das Bemalen der Hafenmauer angehen. Wir erhalten zusätzliche Farben von der Yacht MAYA, danke Claire! Sie sind diesmal mit ihrem dritten Boot in Horta. Mit ihrer nur 9 m langen TY PUNCH haben sie den Globus umrundet.










Während der Lack trocknet unternehmen wir Spaziergänge, einer führt uns auf den nahen Monte Quemada. Von dort hat man eine gute Aussicht auf die Stadt und vor allem auf Porto Pim. Noch besser ist die Aussicht allerdings vom Monte da Guia. Nur wenige Seemeilen trennen Flores von der Insel Pico. Den mit 2351 m höchsten Berg Portugals, den Montanha do Pico, sieht man nur selten, meist ist er in Wolken. Die kreisrunden Buchten im Vordergrund weisen optisch deutlich auf die Vergangenheit des Monte da Guia als Vulkankrater hin.










Im Museum von Horta sehen wir eine Sammlung sakraler Kunst, aber auch Exponate zum Bau des Hafens. Auch das Gebiet der Telekommunikation mittels Funk- und Unterseekabelverbindungen und der erste Transatlantikflug sind gut dargestellt. Für diesen Flug hatte man im Jahr 1919 alle 50 Seemeilen Schiffe positioniert, damit die Flieger den richtigen Kurs über die 1200 Seemeilen lange Strecke von Neufundland nach Faial fanden. Später war Horta ein wichtiger Zwischenstop der Wasserflugzeuge für die ersten Linienflüge über den Atlantik.


Ein unbekanntes, regionales und sehr feines Kunsthandwerk wird hier ebenfalls ausgestellt: Das Verarbeiten des Marks von Feigenbäumen. Getrocknet und in dünne Platten geschnitten können daraus mit viel Geschick und Geduld überaus fragile Plastiken entstehen.



Capelhinos
Wir fahren mit einem Leihroller zum Vulkan Capelhinos. Dieser ist 1958 ausgebrochen und neues Land ist entstanden. Die Fahrt ist landschaftlich sehr schön, es ist aber recht frisch. Wir steigen auf die vulkanische Klippe zum Miradouro da Shane. Danach fahren wir nach Praia do Norte im Nordwesten der Insel und essen in einem gut besuchten Restaurant mit prächtiger Aussicht Fisch. Die Auswahl ist groß und der Kellner zeigt uns Abbildungen der Fische in einem Buch.







Die Caldeira
Dann fahren wir zur Ribeira Funda und über eine sehr schlechte Strasse nordseitig um den großen Vulkankegel. Auf einer Straße aus rotem Schotter geht es in vielen Kehren hinauf zur Caldeira. An den Zugangstunnel und den imposanten Blick in den großen Krater mit etwa zwei Kilometer Durchmesser kann ich mich gut erinnern. An seinem Rand steht der Cabeco Gordo, mit 1031 m die höchste Erhebung auf Faial. Diese Caldeira ist die jüngste der Azoren und nur etwa 1000 Jahre alt. In ihr findet man etwa zwei Drittel der endemischen Flora der Azoren, auch viele besondere Vögel. Sie ist als Naturpark geschützt, doch der Zutritt auf einem Steig ist erlaubt. Wir umwandern die Caldeira am Rand. Aber Helga geht es nicht gut. In ihrem Bauch gurgelt es.







Am nächsten Tag müssen wir zuhause bleiben, Helga leidet an Keriorrhea. Der Ölfisch Ruvettus pretiosus enthielt etwa 20 % Wachsester. Diese sind unverdaulich und gehen als orangefarbiges Öl ab. Hoffentlich ist das bald vorbei! Dass man diese Fische ohne Warnung anbieten darf ist doch erstaunlich, in Italien und Japan ist die Einfuhr verboten.
In Horta liegen viele Yachten mit technischen Problemen und es gibt einige Betriebe und mobile Handwerker, die ihre Dienste anbieten. Ein Nachbarschiff hat gar einen schweren Motorschaden. Seewasser kam über die Entlüftung in den Tank und dann in die Einspritzpumpe. Bei einer anderen großen Yacht fehlt das halbe Ruderblatt. Wie es dazu kam, konnte sich der Eigner nicht erklären. Recht häufig sind auch Schäden am Rigg oder den Segeln. Wir fallen in diese Gruppe. Nachmittags kommt der Rigger und nietet den abgefallenen Beschlag des Rodkickers wieder an. Von gößeren Schäden blieben wir glücklicherweise verschont.



Helga geht es wieder etwas besser, aber die Symptome bestehen noch. Trotzdem gehen wir nachmittags ins Scrimshawmuseum und zur Walfabrik.

Das Scrimshawmuseum
Dieses befindet sich im ersten Stock über dem Cafe Peter Sport und ist sehr umfangreich und sehenswert. Man sieht hier historische, aber auch zeitgenössische Arbeiten. An Walzähnen gibt es auf den Azoren keinen Mangel. Auch flache Knochen wie z.B. Schulterblätter werden bearbeitet. Nach dem Schleifen und Polieren des Zahns wird mit einer spitzen Nadel nach und nach eine Zeichnung eingeritzt. Erst wenn diese mit Farbe gefüllt ist, kann man sie durch den erhöhten Kontrast schön sehen. Meine eigenen Bemühungen auf diesem Gebiet können Sie hier sehen.






Die Walfabrik
Die Fábrica da Baleia da Porto Pim wurde 1942 fertiggestellt und war bis 1974 in Betrieb. Fast 2000 Pottwale wurden hier zu Öl, Futtermittel und Dünger verarbeitet. 1983 wurde der Walfang auf den Azoren verboten. Nun ist sie als Museum zu besichtigen.
Viele der alten Walbeobachtungsposten auf den Azoren sind heute auch noch besetzt und halten wie früher Ausschau nach Fluken oder dem Blas von Walen. Statt an Fangboote geben sie die Positionen aber an Whalewatching Boote mit schaulustigen Touristen durch. Eine sehr erfreuliche Entwicklung!





Anmerkung
Aufgrund von wirklich unerfreulichen, schweren technischen Problemen werden bis auf weiteres keine Newsletter mehr versandt.
Wir freuen uns aber über Ihren Besuch auf der Webseite und Ihr Interesse an den Fotos oder Reiseberichten! Alles garantiert ohne KI erstellt, – muss man heute schon dazusagen.