Erste Eindrücke der Karibik

Wir haben für einige Tage ein klimatisiertes Hotelzimmer gemietet und erholen uns in der nicht schaukelnden Schlafstelle von den Strapazen des Atlantiks. Auch das Schiff braucht nach dem langen Törn einige Zuwendung.
Am Neujahrstag essen wir abends im feinen Pillar´s Restaurant in Nelson´s Dockyard, ein Genuss! Beim Hinweg sehen wir, dass nicht wenige Inselbewohner zu Weihnachten von einer enormen Dekorationslust gepackt werden. 

  • Hotel Falmouth Bay
  • Weihnachtsdekor extrem
  • Helga im Pillar`s Inn

Das Potential der sicheren, leicht zu verteidigenden, natürlichen Häfen von English Harbour und Falmouth Harbour wurde früh erkannt. Schon 1723 begannen die Bauarbeiten an Nelson´s Dockyard. Wenige Jahrzehnte später waren die Anlagen in der heutigen Form fertiggestellt und bildeten die wichtigste, britische Marinebasis in den kleinen Antillen. Admiral Nelson war ab 1784 hier mit seiner Fregatte BOREAS stationiert. Nach Nelson´s Sieg bei Trafalgar 1805 und der Niederlage Napoleon´s bei Waterloo 1815 beruhigte sich auch die Lage in den Westindischen Inseln. Die britische Navy zog sich zurück und die Anlagen verfielen langsam. Ab 1951 wurde mit der Restaurierung der Werftanlagen und Gebäude begonnen.

Mit einem Mietwagen fahren wir auf die nach dem Gouverneur General Shirley benannte Anhöhe Shirley Heights. Hier waren Wachposten stationiert und man kann die schönsten Ausblicke auf die Insel und die Buchten genießen. Überall an strategischen günstigen Positionen finden sich Reste britischer Militäranlagen und Batterien. Das gesamte Gebiet um English Harbour und die einzigen, noch erhaltenen Werftanlagen aus viktorianischer Zeit haben heute den Status eines Nationalparks.

Anderntags fahren wir nach St. Johns, der Hauptstadt der erst seit 1981 von England unabhängigen Insel. Doch wir finden sie enttäuschend. Viele Straßen, Gehsteige und Gebäude sind in schlechtem Zustand und die Infrastruktur wirkt improvisiert. Aber derlei findet sich fast überall in der Karibik, wie wir später noch sehen werden. Die vielen Touristen der Kreuzfahrtschiffe schauen unter dem Eindruck dieser Stadt eher verzweifelt als glücklich drein. Allerorten ist laute Musik zu hören, auch die kleinsten Stände oder Geschäfte haben große Lautsprecher in Betrieb. Besonders lebhaft geht es in der Market Street zu.

Heute sehen wir uns in der Marina genauer um. Neben klassischen Schönheiten aus Holz, deren Aufbauten gerade frisch lackiert werden, sehen wir fast ausschließlich große Oyster´s, gewaltige Schiffe bis etwa 90 Fuß. Wie einige Detailfotos zeigen, ist die Qualität und der Pflegezustand der hier liegenden Yachten ganz exzellent.

Catamaran Marina
  • Detail Oyster
  • Rigg Oyster
  • Rigg

Noch einige Nummern größer sind die Superyachten in den anderen Marinas. Antigua ist ein Zentrum des Segelsports und die Bedingungen sind hier ausgezeichnet. Es finden jede Menge sportlicher Veranstaltungen statt: Oyster World Rally, Superyacht Challenge Antigua, Antigua Classic Yacht Regatta, Jolly Harbour Valentine´s Regatta, RORC Veranstaltungen um nur einige zu nennen. Den Höhepunkt und Abschluss der Segelsaison bildet die Antigua Sailing Week Ende April.

English Harbour
Money no object, Superyachten in English Harbour

Unser Autopilot erweist sich endgültig als defekt, wir benötigen Ersatz. Bis dieser eintrifft wollen wir die Insel erkunden. Aber leider hat unser Anker ein altes Grundgeschirr gefasst. Dieses ist sehr schwer und so groß, dass unsere Winsch die Last nicht heben kann. Wir senken unseren Anker mit dem eingefangenen Schrott wieder ab. Durch einen eng gefahrenen Kreis kommen wir frei und können auslaufen. Das Wetter ist perfekt und bis in die Carlisle Bay sind es nur wenige Meilen. Ab sofort verwenden wir eine Trippleine und Ankerboje. Das ist ein wirklich feiner Ankerplatz, gut zum Baden und schnorcheln. Wir sehen hier Schildkröten und große gefleckte Adlerrochen aus nächster Nähe.

Der Versuch, den nahen Hügel zu ersteigen wird von Türkenkopfkakteen, Dornengebüsch, rutschigem, trockenem Gras und enormer Hitze verhindert. Stattdessen spazieren wir nachmittags entlang eines Süßwasserlaufs durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet.

Türkenkopfkakteen
Cades Reef
Cades Reef

Nach einigen Tagen verlegen wir nach Jolly Harbour. Wir fahren hinter dem Cades Reef durch und ankern bei Reeds Point auf 3,5 m Tiefe. Helga schnorchelt den Anker ab.
Um die ganze Bucht ist eine Ansiedlung gebaut worden, Alterssitze für amerikanische Rentner, alle mit eigenem Bootsliegeplatz. Der Supermarkt im Hafen ist gut sortiert, aber wie überall auf Antigua sehr teuer. Von hier starten viele Boote den langen Schlag zurück nach Europa. Wasser ist in der Marina problemlos zu bekommen. Nach dem Bunkern erleben wir sehr gutes Segeln entlang der Westküste. Vor der Deep Bay nehmen wir das Großsegel weg, fahren eine Wende, laufen ein und ankern in der schönen Bucht auf sandigem Grund.

Deep Bay
Vor Anker in der Deep Bay

Hier besichtigen wir das Fort Barrington. Von diesem Bauwerk aus überwachten die Briten die Einfahrt nach St. Johns. Es stammt aus Admiral Nelson´s Zeit und ist noch gut erhalten. Der Rundblick ist eindrucksvoll. Danach streben wir der Strandbar zu, aber diese gehört zu einem Ressort. Wir werden von der Security sofort als Yachties erkannt und angesprochen. Konsumieren können wir hier auch nichts, hier ist All-Inclusive ausschließlich für Hotelgäste. Gut, dass der Strand selbst noch öffentlich ist.

Später fahren wir per Dinghy zum Wrack des ANDES. Diese Dreimastbark aus Stahl hatte Asphalt aus Trinidad geladen, der sich in Brand setzte. Mit dieser gefährlichen Ladung durfte sie St. Johns nicht anlaufen. In der Deep Bay geriet das Feuer beim Öffnen der Luken außer Kontrolle, und das Schiff sank. Seit 1902 liegt es aufrecht am Grund, ein Mast ragt bis an die Wasseroberfläche, der Bug ist nur etwas mehr als einen Meter unter Wasser. Wenn man schnorchelt, sieht man die Rippenstruktur des Rumpfs und die teils intakte Außenhaut, das Holzdeck verbrannte. Das Wrack ist nun ein künstliches Riff mit Korallen und Schwämmen. Viele schöne, farbige Fische wie Papageien- und Rotfeuerfische tummeln sich hier. Neuerdings ist die Action Cam defekt und ich kann leider keine Unterwasserfotos machen.

Heute ist Regenwetter, nur 24° C. Das ist auch einmal gut! Dem ist aber nur vermeintlich so, denn ab dem mittleren Vormittag ist dann wieder bestes Wetter mit schönen Cumuli, hoher Sonneneinstrahlung und straffem Ostwind.


Morgen soll es nach Barbuda gehen, wir studieren die Karten und Unterlagen. Angesagt waren 20 kts, effektiv wehen 13- 15 m/s aus E. Wir finden rassige Segelbedingungen und etwa 3 m hohe, seitliche Welle vor. Das Großsegel fahren wir gerefft. Das Anfahren des Ankerplatzes und das Ankern sind problemlos, das Wasser ist wunderbar türkisfarben. Aber es weht ein harter Wind und das Schiff zieht stark an der Kette. Die Insel ist sehr flach und und bietet auch leeseitig keinen Schutz vor dem Passat.

Vor Anker, Barbuda

Das Anlanden des Dinghy´s ist wegen der Wellen schwierig. Wir unternehmen einen kurzen Strandspaziergang. Der Sand ist durch den Wind in konstanter Bewegung, Pflanzen bewachsen die flache Düne, dahinter befindet sich eine Lagune. Hier im weichen Sand geht man nicht weit, viel zu anstrengend ist das. Die Düne wurde vom Hurricane Irma aufgerissen, die Lagune ist nun mit dem Meer verbunden. In der Ferne liegt ein kleines Hotel umgeblasen in schrägen Winkeln am Strand.

Auf Barbuda kann man nur mit einem Guide etwas an Land unternehmen. Das möchten wir eher nicht. Zum Schnorcheln sehr interessant wären die Riffe an der Südspitze der Insel. Dort muss man aber zum Ankern hinter die Korallen navigieren. Bei dem aktuell herrschenden, starken Passat möchten wir das nicht riskieren. Aus demselben Grund konnten wir auch die Buchten auf Antigua´s Ostseite  nicht besuchen. Wir werden wiederkommen!

Regen Barbuda

Wir segeln nach Antigua zurück und haben den Eindruck, dass heute weniger Wind ist. Aber das täuscht und trotz Mittelcockpit bleiben wir auch heute nicht trocken. Hohe Wellen kommen seitlich ein, bis zu 30 Knoten Wind bieten sehr gutes Segeln. Im Lee von Antigua sind die Bedingungen etwas moderater. Schnell geht es entlang der Westküste nach Süden. Dann müssen wir wieder am Cades Reef vorbei. Wir fahren sportlich außen und kreuzen einige kurze Schläge gegen den Passat auf. Das ist sehr hart, funktioniert aber wegen des starken Winds doch. Hinter dem Riff hätten wir mit der Maschine gegen die Welle stampfen müssen. Um kurz vor 18:00 Uhr lokal fällt der Anker wieder in der Carlise Bay.

In der Nacht geht ein Squall durch, heftige Windböen mit einem unmittelbar darauf folgenden Regenschlag. Dieses Wetterphänomen hatten wir am Atlantik erwartet, aber nicht erlebt. Morgens ist es wieder sonnig. Nach einigen Tagen fahren wir zurück nach Falmouth. Leider kommt der Autopilot erst kommende Woche aus dem Zoll.

Wir unternehmen eine kleine Wanderung entlang des Monk-Trails hinauf zum Fort George. Es ist Mittag und daher sehr heiß, aber die Aussicht lohnt die Anstrengung.

Ein weiterer Spaziergang führt uns zum English Harbour und hinaus zum Fort Berkeley. Dort sehen wir das Frauenteam „Wave Breakers“ in einem Ruderboot eintreffen. Diese Dreiercrew nahm am World´s Toughest Row teil und brauchte 40 Tage, 10 Stunden und 51 Minuten für 3000 Seemeilen von San Sebastian auf La Gomera bis Antigua. Mental und physisch ist eine derartige Unternehmung extrem herausfordernd, eine uns unvorstellbare Leistung!

Endlich hat ein Broker das Paket mit dem Autopilot aus dem Zoll bekommen. Der Einbau ist schnell erledigt. Sofort erscheint eine Heading-Anzeige am Steuerstanddisplay und nach dem Setup ist die Seekarte am Plotter wieder gut ausgerichtet. Aber der für uns wichtige Modus AUTO funktioniert nicht. Wir benötigen daher noch ein Ersatzgerät.

Unser letzter Spaziergang auf Antigua führt uns über den Middle Ground Trail von Fort Berkeley zu Fort Cuyler. Wieder ist es extrem heiß und sehr trocken. Doch der Weg bietet schöne Ausblicke und führt am Ende zur Pigeon Beach hinunter. In Nelson´s Dockyard klarieren wir noch aus, unser morgiges Ziel heißt Guadeloupe.