Angra do Heroismo, Terceira – Muxia, Spanien
1080 Seemeilen, 8 Tage
Ein feiner Aufsatz zu diesem alten Spruch findet sich bei Reese Palley. Es ist sicher klug, als Segler auf passenden Wind zu warten. Was aber, wenn die Wetterlage sich nicht zu bessern scheint und vorteilhafte Bedingungen nicht kommen wollen? Man kann trotzdem fahren, aber es wird sehr anstrengend und deutlich länger.
4.7.
Aus der Marina Angra do Heroismo müssen wir gegen den steifen Ostwind bis zum Kap Pta. do Mina motoren. Dort setzen wir die Segel und kreuzen in der Baia da Vila auf. Dann geht es schon auf N-Kurs und vorbei an Praia da Vitoria. Es läuft sehr gut und die Welle ist moderat. Die erste Wache ist sehr schön, denn es bleibt lang hell und Terceira ist bis zum Einbruch der Dunkelheit in Sicht.
5.7.
Der Hochkern liegt immer noch nördlich von uns. Wir wenden, um nicht in das windschwache Hoch zu fahren. Stattdessen geht es nun nach Südost. Doch dieser Kurs ist nicht, was uns weiterbringt. Abends checken wir noch einmal das Wetter und entscheiden, unter Maschine direkt in den Wind zu fahren. Dadurch hoffen wir, bis morgen früh in einer günstigeren Position näher am Ostrand des Hoch zu sein. Dort soll der Wind morgen aus Nord wehen. Damit könnten wir sehr schön nach Osten oder Nordost fahren.

Vor Kap Finesterre und Portugal weht noch starker Nordostwind, den gilt es zu vermeiden. Helga meint zurecht, dass A Coruña eine schwierige Destination ist. Cascais oder Gibraltar wären da weitaus einfacher zu erreichen.
6.7.
Nach der Nachtfahrt unter Maschine stellen wir fest, dass sich das Azorenhoch während der Nacht nach Ost ausgedehnt hat, – es ist mit uns mitgezogen. Nach dem Frühstück reicht es zum Segeln, N-NNE 3 ist zwar schwach, aber es genügt. Nun lassen wir den Wind nicht mehr los! Vormittags laufen wir einen harten Am-Wind Kurs von etwa 60 °. Wir brauchen die Höhe, um dem starken N-Wind entlang der Iberischen Halbinsel auszuweichen.
Abends bei leichtem Regen sehe ich kurz voraus einen Blas. Sofort den Windpilot auskuppeln und hart Ruder legen nach Steuerbord. Zwei Pottwale liegen eng nebeneinander ruhig an der Meeresoberfläche. Nun erst scheinen sie uns bemerkt zu haben, blasen noch einmal und tauchen ab. Glück gehabt!

7.7.
Bedeckter Himmel. Die Nachtfahrt bei fast völliger Dunkelheit und Wind bis 28 Knoten in Kombination mit einem Am-Wind Kurs sind nicht angenehm. Morgens etwas nachlassender Wind, aber das Wetter ist durchwachsen. Teils Nieselregen aus tiefen Cumulischichten, nur zwischendurch kurze sonnige Phasen.
Die See ist nicht sehr hoch, doch die Welle konfus. Das bremst die Yacht mit tiefem Eintauchen des Bugs und harten Schlägen auf den Rumpf stark ab. Trotzdem können wir Am-Wind ein Etmal von 134 sm fahren. Das ist in Anbetracht der Bedingungen beachtlich. Der Wind dreht zusehends, so auch unser Kurs. Gegen Abend sind es schon etwa 100°. Leider verlieren wir Höhe, müssen das aber hinnehmen.
Vor der Iberischen Halbinsel geht immer noch die Post ab und der Bereich mit dem Starkwind reicht bis mindestens 15° westlicher Länge. Wir sind noch auf 21°, also weit weg.



8.7.
Zuerst war es eine ruhige Nachtfahrt bei moderatem Wind, dann am Morgen plötzlich wieder entfesseltes Wetter mit sehr schnell wechselnden Wolkenstimmungen und böigem Wind. Heute ist der Tag mit dem bisher ungünstigsten Wind des Törns. Nicht stark, aber NE-ENE. Wir segeln nach 130 – 160° um nicht allzuviel zu verlieren. Nach der Wende ist der Wind zwar gleich, aber die Welle steht gegen uns. Es ist schwer, das Schiff auf Fahrt zu bringen und diese zu halten. Mehr als etwa Nordkurs ist nicht drin. Die Belastung des Schiffs ist hoch, aber auch die Crew leidet unter diesen Verhältnissen. Rasmus bekommt eine ganze Dose Bier, doch es hilft nicht.



9.7.
Gegen Ende der Hundewache ein trüber, bedeckter Morgen. Das Boot biegt immer mehr nach West ab, obwohl wir immer den gleichen Windwinkel segeln. Wir wenden und laufen nun mit fast 5 kn auf Ostkurs. Die Welle bremst nun weniger. Später wird der Wind ohnehin drehen weil sich ein Tief vor dem Festland ausgeformt hat. Längere, große Wellen am Vormittag und angenehmeres Wetter mit etwas Sonne. Das Etmal ist wieder 134 sm.

Nun sind wir etwa bei der Hälfte der Distanz, haben aber seit Angra do Heroismo 647 sm gefahren. Davon entfallen 190 sm auf Kreuzkurse, also Umwege. Nun liegt A Coruña endlich ungefähr an. Abends ist das Tief schon näher und wir können etwas abfallen.


10.7.
Die Nacht ist nicht angenehm. Das Schiff arbeitet schwer und bei auffrischendem Wind wird es trotz starkem Reff oft recht schnell. Am Morgen ist immer noch Nordostwind und eine äußerst unangenehme Welle, welche die Fahrtaufnahme des Schiffs behindert. Es knallt laut am Rumpf, wenn der Bug eintaucht. Bald schon dreht der Wind durch das nun verlagerte Tief auf Nord, und die Verhältnisse werden passabel. Die Segel können leicht gefiert werden und die Welle kommt mehr seitlich ein.
Es ist ganztägig bedeckt und trüb. Die Abendwache ist sehr angenehm, das Boot läuft auf dem nun wieder ruhigeren Meer konstant über 6 kn. Was für ein Unterschied zu den Tagen vorher!


11.7.
Ruhige, zügige Nachtfahrt. Die vordere Unterwant auf der Leeseite ist durch die Belastungen locker geworden und klappert, wenn das Boot eintaucht. Sie muss nachgezogen werden. Nur mehr 229 sm nach A Coruña und zur Abwechslung wolkenloses Schönwetter. Nach dem Sonnenuntergang ist es aus mit dem Wind. Ein Vollmond steigt auf und es folgt eine schöne Nachtfahrt, leider unter Maschine.
12.7.
Sehr schöner Morgen mit Mondschein und Sonnenaufgang gleichzeitig. Ich bereite die Yacht für die Küstenfahrt vor, demontiere die Leinenverbindungen des Windpiloten und setze die Gastlandflagge und die Nationale.


Wir beobachten den gewaltigen Schiffsverkehr im Verkehrstrennungsgebiet Off Finsterre am Bildschirm. Der Tanker VELOS FORZA ist unbeladen und fährt westlich des VTS nach Norden. „Sailing Vessel CARA MIA, what is your intention, over“ höre ich am Funk. Er akzeptiert unser Vorhaben, in 28 Minuten mit einem geringsten Abstand von 1600 m vor ihm durchzufahren.




Wir fahren außerhalb der südlichen Begrenzung des 20 Seemeilen breiten VTS. Die Querung ist spannend und dauert für uns etwa dreieinhalb Stunden. Die Großschiffe fahren bis zu 18 Knoten und sind sehr schnell da. Wir müssen sehr vorausschauend navigieren, um einen sicheren, kleinsten Passierabstand CPA (Closest Point of Approach) sicherzustellen. Nach Querung der beiden nach Süden führenden Spuren können wir die Trennzone sicher erreichen.
Aus Süden kommt noch ein Tanker, den wir mit gutem Abstand passieren können. Dann ist es fast geschafft. Südlich der östlichsten Fahrspur legen wir den Kurs auf 50°, um in die Küstenverkehrszone zu kommen. Absolut glattes Wasser in diesem Bereich, Windstille. Bald schon sehen wir unter den Cumulanten das Festland der Iberischen Halbinsel.



Die Tripanzeige unseres GPS zeigt nun genau 5000 Seemeilen seit Trinidad. Helga steuert Muxia an. Wir haben einfach keine Lust mehr auf eine weitere Nachtfahrt, nach A Coruña können wir morgen auch noch fahren.
Wir sind das einzige Boot am Steg. Ich kenne da ein gutes Lokal, und wir feiern den Landfall mit sehr guten, gegrillten Tintenfischen, Pimientos und einer Flasche Weißwein. Wir haben unseren Kurs von 2023 gekreuzt und unsere Runde um den mächtigen Atlantik hat sich geschlossen.